Rollen im Wandel

Gemeinschaftliche Lebensmodelle ausprobieren sowie Sensibilisierung für das Thema der Geschlechtergerechtigkeit

Projektdauer: 27.01.2022 - 31.12.2023

Projektträger

Regionalentwicklung Vorarlberg eGen

Hof 19

6861 Alberschwende

Kurzbeschreibung

Das Thema Geschlechtergerechtigkeit wird immer präsenter, so auch in Vorarlberg. Besonders das vergleichsweise niedrigere Einkommen von Frauen gegenüber Männern gibt Anstoß für weitere Modelle außerhalb der klassischen Rollenteilung. Im LEADER-Projekt wird der Frage nachgegangen: Wie kommt man zur partnerschaftlichen Rollenteilung und was und wen braucht es wann dazu?
Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Verein Amazone, dem Familienverband, dem femail Frauen Informationszentrum Vorarlberg sowie auf kommunaler Ebene in erster Linie mit familienfreundlichen Gemeinden und ihren Ortsgruppen. Die Projektaktivitäten werden mit den Handlungsfeldern und Organisationen abgestimmt, die im Prozess zum Regionalen Aktionsplan (RAP) für Gleichstellung von Frauen und Männern Vorarlberg eingebunden sind.
Durch eine erste Betrachtung zentraler Themen mit verschiedenen Zielgruppen (Jugend, junge Erwachsene, Familien und Gemeindevertreter:innen) werden konkrete Themen identifiziert und auf Umsetzbarkeit geprüft. Anschließend wird nach attraktiven alternativen Modellen der Rollenteilung gesucht, es werden bestehende vielfältige Formen der Rollenteilung aufgezeigt, konzeptioniert sowie praktisch positioniert und daraufhin pilothaft als erste Initiativen umgesetzt. Diese Initiativen werden begleitet und evaluiert, um direkte Erkenntnisse und pragmatische Erfahrungen daraus zu gewinnen.
Weiters findet anhand von diversen Veranstaltungsformaten eine Sensibilisierung für das Thema Geschlechtergerechtigkeit statt. Ziel ist es unter anderem, Vorzeigebeispiele für Familien/Partnerschaften in Vorarlberg zu schaffen, für welche eine partnerschaftliche Rollenteilung vorstellbar wäre. Diese Beispiele sollen dazu führen, partnerschaftliche Rollenteilung als ein alternatives Lebensmodell in Vorarlberg zu positionieren. Zudem ist es wichtig, das Verständnis für die Pluralität von Familien bei den Akteur:innen in der Region zu erhöhen sowie auch Paare und Jugendliche für Geschlechtergerechtigkeit zu sensibilisieren. Generell ist es von Bedeutung, das Thema der Geschlechtergerechtigkeit und die damit einhergehende Thematik der partnerschaftlichen Rollenteilung in der Gesellschaft zu verankern. Es ist der Mehrwert von Rahmenbedingungen gerade für den ländlichen Raum darzustellen, wenn ausgebildete Frauen wieder als Fachkräfte zur Verfügung stehen können und gleichzeitig Männer sich um die Familie kümmern können.

Ausgangslage

In Vorarlberg ist der prozentuelle Anteil der Männer, welche Kinderbetreuungs- oder Karenzgeld beziehen, österreichweit am niedrigsten und Frauen sind wesentlich häufiger „atypisch“ beschäftigt. In Vorarlberg sind 2019 insgesamt 55,4 Prozent der Frauen beschäftigt, und davon wieder 51,1 Prozent in Teilzeitbeschäftigung mit einem durchschnittlichen Arbeitsaufwand von rund 20 Stunden pro Woche. Frauen begründen Teilzeit vor allem mit der Betreuung von Kindern oder zu pflegenden Erwachsenen sowie Aus- und Weiterbildungszwecken.
Diese Frauen sind dabei meist gut ausgebildet, jedoch überwiegt das Modell der klassischen Rollenteilung, weshalb viele Frauen für einige Zeit lang aus dem Erwerbsleben zurücktreten. Dies spiegelt sich im vergleichsweise niedrigeren Einkommen wieder. Von außerfamiliärer Kinderbetreuung wird immer häufiger Gebrauch gemacht. Jedoch dominiert in der Gesellschaft die Ansicht, dass Eltern bevorzugt weniger Einkommen beziehen sollen, um sich im Gegenzug dazu um die Kinder kümmern zu können. Hierzu wird meist auf die Mutter fokussiert. Gleichzeitig fühlen sich Frauen auch oft in der Gesellschaft wenig wertgeschätzt, wenn diese keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Alternativen Rollenmodellen wird bis dato in der Öffentlichkeit noch zu wenig Platz eingeräumt. Obwohl es auch in Vorarlberg bereits Familien gibt, die derartige Alternativen leben, sind diese wenig sichtbar und können somit kaum als Vorzeigebeispiele dienen. Auch im Regierungsprogramm 2019 der Vorarlberger Landesregierung ist als ein Ziel verankert, die Rollen von Männern und Frauen ausgeglichen zu verteilen, um die Chance auf gerechte Lebensmodelle zu fördern.

Ziele/Wirkung

Ziel des Projektes ist es, mit Veranstaltungsformaten und Vorzeigeinitiativen Handlungsempfehlungen aus dem Gleichstellungsbericht 2021 und das Fokusthema partnerschaftliche Rollenteilung aus dem RAP-Prozess vorort im ländlichen Raum Vorarlbergs niederschwellig erfahrbar zu machen. Damit einhergehend soll das Modell der klassischen Rollenteilung durch das Aufzeigen bzw. das Positionieren weiterer partnerschaftlicher Rollenmodelle um Alternativen erweitert werden.
Hierfür ist es wichtig, auf kommunaler Ebene gemeinsam mit verschiedenen Zielgruppen (Jugend, junge Erwachsene, Familien und Gemeindevertreter:innen) entsprechende Themen zu erheben und entstandene Ideen pilothaft und praxisnah mittels Initiativprojekten umzusetzen. Ziel ist hierbei auch, diese umgesetzten Projekte zu begleiten und erste Erkenntnisse zu gewinnen.
Weiters ist auch die Sensibilisierung im Generellen für das Thema der Geschlechtergerechtigkeit von Wichtigkeit, um langfristig das Modell der partnerschaftlichen Rollenteilung positionieren zu können.

Inhalte

In einem ersten Schritt sollen im Zuge von Erhebungen, Fachaustauschen und öffentlichen Formaten gemeinsam mit familienfreundlichen Gemeinden Themen zur Rollenteilung gefunden werden. Ziel ist es, in einem offenen Format einen Vernetzungsraum für Ideengeber:innen sowie die Regio-V, Amazone, den Familienverband und femail zu kreieren. Die Fachorganisationen decken hierbei verschiedene Zielgruppen ab.
Was sind die Vorstellungen von idealen Familienmodellen von jung bis alt? Verschiedene Familienmodelle sollen hier diskutiert bzw. beleuchtet werden. Auch, wie sich Eltern in Bezug auf Erwerbstätigkeit bis dato organisieren und welche Rahmenbedingungen sie hierfür vorfinden, soll eruiert werden. Aus den gefundenen Ideen für eine alternative, partnerschaftliche Rollenteilung sollen konkrete Umsetzungen abgeleitet und ausgewählt werden.
In der pilothaften Umsetzung werden die ausgewählten Initiativgruppen von den entsprechenden Fachorganisationen begleitet und dokumentiert. Parallel dazu werden verschiedene Veranstaltungsformate wie Seminare, Workshops, attraktive Vorträge und Pop-Up-Events für diverse Zielgruppen der Sensibilisierung für Geschlechtergerechtigkeit dienen.
Zentral ist hierbei das Zusammenwirken der Projektpartner:innen, aus dem sich innovative Herangehensweisen ableiten lassen. Methodisch steht das „Abholen“ der Zielgruppen ebenso im Mittelpunkt wie die Förderung der Projektbeteiligung der Bevölkerung als aktive Mitwirkende, nicht nur als Konsument:innen/ Kund:innen. Jene Ideen sollen mit Unterstützung der Projektpartner:innen umgesetzt werden, die auf eine hohe Motivation und auch einen gewissen Veränderungsdruck der Betroffenen treffen. Dabei geht es jedoch nicht um reine Selbsthilfe. Denn die individuelle, familiäre Perspektive ist bei einem derart gesellschaftspolitischen Thema zu kurz gegriffen. Familien finden ihre Lösungen und Wege im Rahmen der vorhandenen Rahmenbedingungen und Regelungen. Oft fällt es schwer, überhaupt Lösungen außerhalb dieses Möglichkeitsrahmens nur anzudenken. Aus diesem Grund wendet sich das Projekt auch an Verantwortliche in den Gemeinden und andere maßgebliche Player vor Ort wie z.B. Arbeitgebende, Organisationen, Vereine usw.

Resultate

  • praktische Umsetzungsbeispiele für partnerschaftliche Rollenteilung wurden den Zielgruppen sichtbar gemacht
  • Entstehung, Durchführung und Begleitung von Pilotinitiativen
  • Ableitung von Erfahrungen und Erkenntnissen der Pilotinitiativen
  • Sensibilisierung für das Thema Geschlechtergerechtigkeit anhand von diversen Veranstaltungsformaten
  • Bereits bestehende Initiativen werden vertieft

Bezug zum Programm

Weitere Informationen

Vorteile für die unterschiedlichen Anspruchsgruppen des Projekts:

Paare/Familien: Auseinandersetzung mit den Rollen als Partner:innen und Eltern – Basis für gleichwertige und stabile Beziehungen. Handwerkszeug, um bei gegebenen familienpolitischen Rahmenbedingungen alternative Wege zu gehen. Auf Gemeindeebene die Möglichkeit von Einflussnahme und Gestaltungsmacht für Angebote für Familien in Richtung partnerschaftliche Rollenteilung und Geschlechtergerechtigkeit.

Kinder: Ausgewogener Kontakt zu beiden Elternteilen

Jugend: Frühzeitiger Meinungsbildungsprozess

Wirtschaft: Fachkompetenz der gut ausgebildeten Frauen bleibt am Arbeitsmarkt / kommt in die Unternehmen zurück. Väter bringen weitere Kompetenzen aus dem Familienalltag in ihre Arbeitsplätze mit ein.

Gemeinden und Vereine: Familienfreundlichkeit wird erhöht – Abwanderung von Familien wird verhindert, Freiwilligenarbeit wird ermöglicht.
 
Wie kommt man zur partnerschaftlichen Rollenteilung und was und wen braucht es dazu?
Vorarlberger Knowhow aus den NGOs und dem Regioverband wird mit dem Projekt regionalräumlich zum Einsatz gebracht. Das Themenfeld wird mit größtmöglicher Breite und Tiefe beackert und nachhaltige Modelllösungen werden entwickelt. Die Beteiligung von Menschen vor Ort spielt hier eine zentrale Rolle.
 
Ideen:

  • Mittagstisch für Eltern in der Kibe
  • Elternfreundliche Sitzungsgestaltung für Vereine
  • Shared-Office vor Ort
  • Experiment partnerschaftliche Rollenteilung