Textilwerk

Schaffung eines Modells/Kulturprogramms zur Inwertsetzung von traditionellem Handwerk im Montafon mit dem Pilotbeispiel Textil.

Projektdauer: 01.07.2019 - 30.09.2020

Projektträger

Heimatschutzverein Montafon

Kirchplatz 15

6780 Schruns

Kurzbeschreibung

Der Heimatschutzverein Montafon möchte sich verstärkt als regionales Kompetenzzentrum für traditionelles Handwerk in der Region Montafon etablieren, um Menschen aus der Region beim Erwerb von Wissen und Fertigkeiten über diese Kulturtechniken zu unterstützen und damit eine unternehmerische Entwicklung in diesen Branchen anzustoßen. Im Rahmen des Projekts soll daher ein Modell/Kulturprogramm anhand des textilen Handwerks entwickelt werden, um nahezu verloren gegangenes Wissen um traditionelle Handwerktechniken in der gesamten Wertschöpfungskette von den Rohstoffen bis hin zu verschiedenen veredelten Produkten neu zu vermitteln. Dieses Modell soll dann auch auf weiteres traditionelles Handwerk übertragbar sein.

Mit der Wolle der Montafoner Steinschafe als Rohmaterial werden die verschiedenen Verarbeitungsschritte der regionalen Wertschöpfungskette als Kurse (v.a. Spinnen, Weben) angeboten. In Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst in Wien werden sodann aus den angefertigten Stoffen neue Produkte entwickelt. Diese sollen schließlich im Montafoner Heimatmuseum Schruns in einem neu gestalteten Teil der Dauerausstellung (Tracht und textiles Handwerk) öffentlich gezeigt und ausgestellt werden, um eine breite Öffentlichkeit und vor allem interessierte Hobby-HandwerkerInnen zu einer Professionalisierung anzuregen.

Ausgangslage

Wolle war über Jahrhunderte eines der Hauptexportprodukte des Montafons. Dementsprechend stellten die Schafe quantitativ die größte Anzahl an Nutztieren im Tal. Spätestens im 18. Jahrhundert wurde die Wolle in Heimarbeit im Tal weiterverarbeitet und veredelt. Im frühen 19. Jahrhundert entstanden in weiterer Folge kleine Betriebe, welche die Wolle zu Stoffen verarbeiteten. Diese Tradition wurde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fortgeführt, ging in den Jahrzehnten danach aber sukzessive zurück und viel Wissen und Know-how ging verloren. An diese Tradition will das Projekt auf zeitgemäße Art und Weise anknüpfen und neue Impulse in die Region bringen.

In den Statuten des Heimatschutzvereins Montafon ist unter anderem die Pflege und Bewahrung der traditionellen Arbeits- und Handwerkstechniken als Vereinszweck angeführt. Da dieser Tätigkeitsbereich seit geraumer Zeit vernachlässigt wurde und das Wissen um zahlreiche traditionelle Handwerke in der Region stark zurückgegangen oder gar verloren ist, soll dieser Entwicklung nun entgegengewirkt werden. Insbesondere das ehemals weit verbreitete Wissen um die Verarbeitung der regionalen Materialien – wie etwa die Wolle der regionalen Schafrasse „Montafoner Steinschaf“ – ist in großen Teilen der Bevölkerung nicht mehr vorhanden. Auch entsprechende Handwerker gibt es in der Region kaum oder gar nicht mehr, da es in den vergangenen Jahrzehnten im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Wandel nicht mehr benötigt worden war. In der Gegenwart erstarkt das Interesse an diesen Handwerkstechniken und den mit regionaler Wertschöpfung angefertigten Produkten, doch vielen Menschen ist der Zugang zu diesem Wissen nicht möglich und es fehlt an den Grundlagen, um selbst in diesen Branchen unternehmerisch tätig zu werden.

Ziele/Wirkung

Im Rahmen des Projekts sollen Interessierte im Rahmen von Handwerkskursen und -vorführungen neue Kompetenzen im Bereich der traditionellen Handwerkstechniken erwerben und in der Folge auch selbst umsetzen und anwenden, um sich etwa als Produzent von Steinschafwolle ein weiteres Standbein neben der Landwirtschaft zu schaffen. Für die entsprechende Qualität der Produkte soll die Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst sorgen, die v.a. Kompetenzen im Bereich des zeitgemäßen Designs von Produkten in das Projekt einbringt. Schließlich sollen die Schritte der Verarbeitung sowie mögliche Produkte in einem neu gestalteten Teil der Dauerausstellung im Montafoner Heimatmuseum Schruns langfristig öffentlich gezeigt werden. Auch sollen fortan regelmäßig Handwerksvorführungen durch die neu ausgebildeten Handwerker in den Montafoner Museen stattfinden. Ihre Produkte können fortan regelmäßig in den Montafoner Museen präsentiert werden. Ziel ist es also, eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne, Kunst und Handwerk zu schaffen. Das Modell ist auch auf andere Arten des Handwerks übertragbar.

Inhalte

Projektinhalt ist die Entwicklung eines Modells/Kulturprogramms zur Inwertsetzung von traditionellem Handwerk am Beispiel der Wollverarbeitung bzw. verschiedener textiler Handwerkstechniken. Dazu werden einerseits Kompetenzen vermittelt und andererseits mögliche Produkte entwickelt sowie schließlich ein Teil der Dauerausstellung im Heimatmuseum neu gestaltet. Ausgehend von der Rohwolle wird Wissen um die Verarbeitung, insbesondere in Form von Kursen und Vorführungen, vermittelt. Daran anknüpfend werden aus den gewonnenen Stoffen mögliche zeitgemäße Produkte, die in der Tourismusregion Montafon Absatz finden können, entwickelt.

Resultate

Im Projekt sollen mindestens zehn Ausbildungsveranstaltungen und -vorführungen aus den verschiedenen Bereichen des traditionellen textilen Handwerks erprobt worden sein. Die Inhalte werden auf der bestehenden Website der Montafoner Museen gebündelt kommuniziert und auch aktiv über die Presse (Presseaussendungen) sowie Social-Media (Facebook) immer wieder während der Projektlaufzeit in Erinnerung gerufen. Die Veranstaltungen und Vorführungen sollen zusätzlich durch einen Informationsfolder beworben werden. Es liegen mindestens fünf neue Produkte vor, die in der Dauerausstellung des Heimatmuseums gezeigt werden können. Es wurde damit die Grundlage für eine Etablierung und Wiederbelebung traditioneller Handwerkstechniken über den Heimatschutzverein Montafon geschaffen.

Bezug zum Programm

2NH05 Synergien zwischen Kultur und Unternehmertum entwickeln