Dorfcafé Obergrecht

Umsetzung eines Cafés am Dorfplatz mit Bürgerbeteiligung als neuer gemeinsamer Ort der Begegnung und des Austausches zur Unterstützung der Dorfgemeinschaft.

Projektdauer: 10.04.2018 - 31.10.2019

Projektträger

Gemeinde Fontanella

Kirchberg 25

6733 Fontanella

Kurzbeschreibung

Der neu gegründete Verein „Gemeinsam Obergrecht“ hat sich zum Ziel gesetzt die leerstehenden und von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Flächen im Erdgeschoss des Gemeindeamts Fontanella wieder zu einem Begegnungsort für Einheimische und Gäste zu entwickeln und dadurch einen Beitrag für eine stabile, lebenswerte und funktionierende Dorfgemeinschaft zu leisten und den Leerstand mit traumhafter Aussicht sinnvoll zu nutzen.
Für eine vielfältige Nutzung, Beteiligung und Identifikation soll das neue Dorfcafé unter anderem mit Bürgerkapital in Form von finanzieller Beteiligung oder Arbeitsleistung entstehen. Eine breite Bürgerbeteiligung soll die verschiedenen Anforderungswünsche aufzeigen, um in Folge die beste multifunktionale Nutzung ausarbeiten zu können und Beständigkeit zu ermöglichen. Des Weiteren werden die Details und Rahmenbedingungen für ein Betreibermodell ausgearbeitet, ein Name für das Dorfcafé gefunden und ein Erscheinungsbild entwickelt. Eine Idee verrät bereits der Arbeitstitel „Dorfcafé Obergrecht“ welcher auf die Obergerichtsbarkeit des Großen Walsertals in Fontanella bis zum Jahr 1806 verweist. Denn wo könnten Themen aus dem Dorf und der weiten Welt besser verhandelt werden als im Gasthaus oder Café im Ort!

Ausgangslage

Fontanella, die jüngste Gemeinde Österreichs (Statistik Austria 2017) zählt 470 EinwohnerInnen. 42% der Dorfbevölkerung sind unter 29 Jahre alt. Neben der Berglandwirtschaft hat sich in Fontanella ein naturnaher Tourismus entwickelt. Während im Winter der Schwerpunkt in der Schiregion Faschina/Damüls liegt, lädt im Sommer das weite Alpgebiet rund um den Ort zum Bergwandern ein. Eine besondere Attraktion ist der Seewaldsee in der Parzelle Seewald.
Während sich eine hoch qualitative Infrastruktur für Übernachtungsgäste entwickelt hat, haben alle Gasthäuser im Ort geschlossen (Gasthof Buchholz 1983, Gasthof Stern 2005, Hotel Post 2006). Für Einheimische und Tagesgäste besteht somit in Fontanella keine Möglichkeit einzukehren.
Einwohner in Fontanella sind sehr aktiv in Vereinen tätig (Feuerwehr 48 Mitglieder, Trachtenkapelle  51 Mitglieder, Bergrettung 28 Mitglieder, Schiverein, Obergrechter Senna 8 Mitglieder, Fontana 8 Mitglieder). Für dieses Engagement haben die Vereine in Fontanella 2016 ein neues Vereinshaus erhalten. Damit Begegnung im Ort nach wie vor gegeben ist, wurde dieses bewusst ohne viel Gastronomie-Infrastruktur ausgestattet. Mit dessen Nutzungsbeginn wurden im Erdgeschoss des Gemeindehauses mehrere Räume (Jugendraum und Bergrettungsraum) frei.
In einem Bürgerforum am 05. Oktober 2016 zur Entwicklung dieser Räumlichkeiten im Ortszentrum haben über hundert Bürgerinnen und Bürger teilgenommen, was etwa einem Viertel der Gesamtbevölkerung von Fontanella entspricht. Der vordringlichste Wunsch kam klar zum Ausdruck. Alle 19 Arbeitsgruppen sprachen sich für einen Gastronomiebetrieb im Ortszentrum aus. Es fehlt in Fontanella eine Gastwirtschaft, Cafe udgl. welche Einheimische und Gäste gleichermaßen nutzen können. Für eine Abgangsgemeinde wie Fontanella ist ein zugängliches Wirtshaus oder Café im Dorf umso mehr eine Voraussetzung für eine stabile, lebenswerte und funktionierende Dorfgemeinschaft!

Ziele/Wirkung

Ziel des LEADER-Projektes ist es, die Leerstandsflächen im Dorfzentrum sinnvoll zu nutzen und gemeinschaftlich mit Bürgerbeteiligung ein Dorfcafé (Obergrechter) umzusetzen.
Die Einheimischen sollen sich mit dem gemeinschaftlich entwickelten Dorfcafé identifizieren und es vielfältig nutzen.

Die gewünschte Wirkung ist, dass das Zusammenkommen und sich austauschen wieder vermehrt wahrgenommen wird, was wiederum die Dorfgemeinschaft unterstützt und eine Lebensqualität in Fontanella vermittelt.

Inhalte

Im Projekt wird ein strukturierter, moderierter Prozess hin zu einem Dorfcafé durchgeführt, um in der Folge ein fachlich begründetes Modell auszuarbeiten und umzusetzen. Die Bürgerbeteiligung wird in einer Reihe von Veranstaltungen oder Aktionen organisiert und die Planung unter Zuhilfenahme von Experten/innen ausgeführt. Die leerstehenden Flächen im Erdgeschoss des Gemeindeamtes werden mit Zuhilfenahme  von Arbeitsleistungen von neuen Vereinsmitgliedern (DorfbewohnerInnen, UnterstützerInnen, …)  in ein Dorfcafé umgebaut. Der umbaute Raum von ca. 265 m³ bietet Platz für Küche, Lager, Gastraum und Theke mit gesamt ca. 28 Sitzplätzen und eine behindertengerechten WC-Anlage, welche auch als öffentliches WC genutzt werden kann. Der Dorfplatz erhält eine Terrasse zum Verweilen. Die neuen Räumlichkeiten werden so gestaltet, dass sie eine vielfältige öffentliche Nutzung ermöglichen. (Café, Sitzungsraum, Kleinveranstaltungen, Aufführungen, Familientreffs, …). Das passende Betreibermodell wird vom Kernteam ggf. mit externer Unterstützung ausgearbeitet und der Betrieb gestartet.

Resultate

Nach Projektende ist ein Dorfcafé als neuer Begegnungsort entstanden, das mit regelmäßigen Angeboten und Services die Attraktivität im Ort steigert und zum Austausch anregt. Die Leerstandsflächen im Ortszentrum sind sinnvoll genutzt.

Bezug zum Programm

Maßnahme LES2020:

  • 2NH04 Alte Bausubstanz in Dorfzentren kreativ nutzen

Weitere Maßnahmen in welchen das Projekt wirkt:

  • 3GW01 Dörfer für junge Familien attraktiv gestalten
  •  3GW03 Strukturen für gesellschaftliches, soziales Engagement ausbauen

 

Weitere Informationen

11.9.2018: Newsbericht zum Start der Bauarbeiten für das neue Dorfcafé

Seit dem Jahr 2000 ist das Große Walsertal Teil des weltweiten Biosphärenpark Netzwerkes der UNESCO. Als Modellregion für naturverträgliches und nachhaltiges Leben und Wirtschaften im Einklang mit der Natur wird im Tal mit unterschiedlichen Projekten das zentrale Anliegen verfolgt, Natur und Landschaft zukunftsfähig zu erhalten und zu gestalten und gleichzeitig eine hochwertige Lebensgrundlage für die Bevölkerung zu bieten. Der Sevilla Strategie entsprechend wird ein integriertes Konzept - Schutz durch Nutzung – im Biosphärenpark-Leitbild festgehalten, verfolgt. Die in der Region lebenden und wirtschaftenden Menschen haben dafür eine zentrale Bedeutung und der Entwicklungsansatz ist stark partizipativ. Nur mit großer Beteiligung der Bevölkerung kann eine nachhaltige Verankerung der Biosphärenparkidee im Alltagsleben gesichert werden. Beteiligung ist ein klarer Auftrag ebenso wie Maßnahmen in den drei Tätigkeitsfeldern Natur- und Landschaftsschutz, Regionalentwicklung, Bildung & Forschung. Umwelt- und Bewusstseinsbildung, Projekte mit der Bevölkerung und für eine nachhaltige Regionalentwicklung, Besucherinformation und Weiterbildung der lokalen Bevölkerung, ein effektives Management, gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Austausch mit anderen Biosphärenparks, die Erstellung von Materialien und ähnliche Maßnahmen werden wie in der Sevilla Strategie empfohlen umgesetzt.  Mit seinen Aktivitäten im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz setzt das Große Walsertal außerdem einen der zentralen Schwerpunkte des Madrider Aktionsplans für Biosphärenparks 2008 um. In Zukunft werden verstärkt auch die Ziele des Lima Aktionsplans 2016 berücksichtigt und integriert, ein großes Augenmerk wird hier auf Beteiligung der Bevölkerung gelegt. Mit dem geplanten Projekt Dorfcafé Fontanella wird mit der Bevölkerung gemeinsam ein Ort für Begegnung geschaffen und so das Miteinander aufgewertet.