Demokratie gestern, heute, morgen: COURAGE-Symposium zieht Bilanz zum Bauernkriegs-Gedenkjahr
4. März 2026
Projekt
Wie lässt sich historische Erinnerungsarbeit im 21. Jahrhundert so gestalten, dass sie breite Bevölkerungsschichten erreicht und einen Gegenwartsbezug herstellt? Zum Abschluss des Projekts „COURAGE“ reflektierten am 23. Februar 2026 rund 60 Fachleute und Projektpartner:innen in Durach die Ergebnisse des Gedenkjahres zum 500. Jubiläum des Bauernkriegs. Das Resümee: Mut zur „Eventisierung“ und Partizipation zahlen sich aus.
Im Jahr 2025 markierte der 500. Jahrestag des Bauernkriegs einen Meilenstein im Kulturkalender Vorarlbergs und Süddeutschlands. Allein die elf Partner:innen des von der Regio-V geleiteten COURAGE-Projekts organisierten über 100 Veranstaltungen. Das Symposium im Veranstaltungszentrum „Villa K“ in Durach diente nun dazu, die Wirkung dieser Aktivitäten zu analysieren und Erfolgsfaktoren für künftige Gedenkjahre zu definieren.
Moderne Vermittlung gegen den Exponatmangel
Eine zentrale Herausforderung des Gedenkens an den Bauernkrieg ist der Mangel an originalen Exponaten. Viele Akteur:innen setzten daher auf digitale und immersive Formate. Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg „Bauernkrieg 2025“ erreichte über Social-Media-Kampagnen auf Instagram und YouTube tausende überwiegend junge Menschen. Parallel dazu brachte eine Roadshow die Geschichte direkt in 16 Orte des Geschehens. Jan-Christian Warnecke, Koordinator der Landesausstellung, betonte dabei den Anspruch an die Vermittlung: „Besucher sind kein Klatschvieh.“ Das Ziel war die aktive Teilhabe statt passiver Konsum.
Auch in Memmingen wurden innovative Wege beschritten. In der Ausstellung „Projekt Freiheit“ fungierte die historische Holzdecke der Kramerzunft als mediale Erzählerin. Solche niederschwelligen Zugänge, oft bei freiem Eintritt, führten zu einer hohen Verweildauer und Mehrfachbesuchen.
Emotionale Bindung durch Partizipation
Besonders erfolgreich erwiesen sich Projekte, die auf Beteiligung setzten. So gestalteten die Schauspieler:innen bei der Vorbereitung der Stücke des Jugendtheaters Durach und der Freilichtbühne Altusried den Inhalt über Beteiligungsformate wie Workshops mit. Im Schwäbischen Freilichtmuseum Illerbeuren schlüpften Schüler:innen bei einem Theaterworkshop in verschiedene Rollen aus der Bauernkriegszeit.
Karl Milz, Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu, unterstrich die Bedeutung des lokalen Bezugs: „Wir haben den Menschen gezeigt, dass Demokratie nicht nur in Brüssel passiert, sondern an ihrem Wohnort.“ Durch Stelen an Originalschauplätzen wurde die Geschichte im Alltag der Bürger:innen präsent und verankert.
Eventisierung als Brücke zum Inhalt
In einer abschließenden Podiumsdiskussion debattierten Expert:innen über die Rolle der „Eventisierung“. Sebastian Huber (Kulturamt Memmingen) und Maximilian Eiden (Kulturhäuser Ravensburg) waren sich einig: Große Events wie die audiovisuelle Show „Zeitreise 1525“ mit 10.000 Zuschauenden seien sehr gut geeignet, um in die Breite zu wirken. Unterhaltung habe eine „aufklärerische Kraft“ und mindere nicht den Ernst der Geschichte. Sie ermögliche es außerdem, den Bogen zur Gegenwart – etwa zu Werten wie Freiheit und Demokratie – zu schlagen.
Stefania Pitscheider Soraperra vom Frauenmuseum Hittisau ergänzte, dass Museen Orte der Interpretation sein müssten, die politische Analysen für die heutige Zeit liefern. Auch die Tourismuswirtschaft zog eine positive Bilanz: Laut Simone Zehnpfennig von der Allgäu GmbH konnten durch gezielte Pressearbeit rund 17 Millionen Menschen erreicht werden, was das Profil der Region als Kulturstandort schärfte.
Ein Erbe über das Gedenkjahr hinaus
Was bleibt nach 2025? Neben dauerhaften Installationen wie Hörstationen in Memmingen und dem neuen jährlichen „Freiheitsforum“ ist es vor allem das geschärfte Bewusstsein für demokratische Werte. COURAGE-Projektleiter Peter Neudert rief dazu auf, angesichts aktueller Gefährdungen der Demokratie neue Projekte zu initiieren. Peter Steurer von der Regionalentwicklung Vorarlberg schloss mit einem Appell an die Teilnehmer:innen: „Das Projekt geht mit jedem von uns weiter. Wir müssen den Mut haben, etwas zu tun!“