Den Barock mit allen Sinnen erleben
15. Juni 2026
Projekte
Der Bregenzerwald ist die Wiege des Barockbaus. Im Jubiläumsjahr des Barockbaumeisters Franz Beer von Bleichten gibt es mit historischen Speisen, einer Ausstellung in Au und Vorträgen in Andelsbuch und Au vielfältige Möglichkeiten, mit allen Sinnen in die bedeutende historische Phase einzutauchen.
Die Aktivitäten rund um die Barockbaukultur werden von verschiedenen Akteur:innen voran getrieben und teilweise im Rahmen der LEADER-Projekte BBM Wissenstransfer und Brücken bAUen umgesetzt.
Barocke Esskultur wird erlebbar
Was aßen die Barockbaumeister des Bregenzerwaldes? Welche Zutaten kamen vor rund 300 Jahren auf den Tisch, und wie schmeckte der Alltag jener Menschen, die die bedeutenden Barockkirchen Süddeutschlands, der Schweiz und Vorarlbergs errichteten?
Diesen Fragen widmet sich das Projekt „Barock gespeist“ des Museums Bezau. Im Rahmen der Auseinandersetzung mit dem Leben und Wirken der Bregenzerwälder Barockbaumeister wurde gemeinsam mit der Kunst- und Kochhistorikerin Renate Breuß historisches Rezeptmaterial ausgewertet und typische Zutaten sowie Zubereitungsweisen der Zeit wurden recherchiert.
Das Ergebnis ist ein Vermittlungsprojekt, das Geschichte genussvoll erfahrbar macht: Mehrere Wirtshäuser der Region greifen die Erkenntnisse auf und interpretieren historische Gerichte auf zeitgemäße Weise. Von einzelnen Speisen und Getränken bis hin zu ganzen Menüs entstehen kulinarische Angebote, die einen Einblick in die Esskultur der Barockzeit geben. Begleitet wird die Aktion durch Informationsmaterialien und digitale Inhalte, die den historischen Hintergrund näherbringen.
Ausstellung Adel verpflichtet
Unter dem programmatischen Titel „Adel verpflichtet“ widmet sich das Barockbaumeister Museum Au im Jahr 2026 der historischen Bedeutung von Franz Beer von Bleichten. Ein vielfältiges Ausstellungs-, Vortrags- und Veranstaltungsprogramm lädt noch bis 31. Oktober zur Auseinandersetzung mit den Werken der Barockbaumeister der Auer Zunft, zeitgenössischer Kunst und regionaler Identität ein.
Anlässlich des 300. Todestages von Franz Beer von Bleichten rückt die am 22. Mai eröffnete Ausstellung das Leben, das Werk und die Nachwirkung von Franz Beer von Bleichten ins Zentrum. Herzstück der Ausstellung sind hochrangige Originale wie der Brief Kaiser Karls VI., mit dem Franz Beer von Bleichten in den Adelsstand erhoben wurde.
Im Jubiläumsjahr hat sich das Museum auch zum Ziel gesetzt, Brücken zu bauen: regional, überregional und von der Vergangenheit in die Gegenwart. So bereichert eine Säulenskulptur des international bekannten Künstlers Gottfried Bechtold die Ausstellung. Im Begleittext benennt Bechtold die barocken Denkmuster Universalität, Paradoxie und „Anything goes“ als Vorboten zeitgenössischer Kunst.
Vortrag: Umgang mit Altbestand damals und heute
Wie wird mit bestehender Bausubstanz umgegangen? Dieser Frage widmet sich der Vortrag "Altbestand als Aufgabe – Franz Beer von Bleichten und die Baupraxis damals und heute" vom Museum Bezau am 27. Juni 2026 von 19 bis 21 Uhr im Werkraumhaus in Andelsbuch. Der Barockbaumeister arbeitete bei zahlreichen Kloster- und Kirchenbauten mit vorhandenen Gebäuden, gewachsenen Strukturen und bestehenden Materialien. Gemeinsam mit den Architekten Hermann Kaufmann und Markus Innauer sowie dem Bauforscher und Dendrochronologen Klaus Pfeifer geht die Veranstaltung der Frage nach, welche historischen Erfahrungen auch heute für Architektur, Handwerk und den Umgang mit Altbestand relevant sein können. Der Eintritt ist frei.
Auer Barockgespräche: “Phantom? Parvenue? Bregenzerwälder!“
Drei Fachleute widmen sich am Freitag, 24. Juli 2026 von 15 bis 18 Uhr in der Kirche Au-Rehmen beim Symposium "Auer Barockgespräche" unter dem Motto "Phantom? Parvenue? Bregenzerwälder!" verschiedenen Details aus dem Leben und Wirken Franz Beer von Bleichtens.
Mathias Moosbrugger von der Universität Innsbruck reflektiert in seinem Beitrag das Phantom und kunsthistorische Phänomen: Franz Beer von Bleichten gilt zwar als bedeutendster Bregenzerwälder Barockbaumeister, ist aber zugleich weitgehend unerforscht. Yvonne Northemann von der Universität Bochum richtet ihren Forschungsfokus auf die Klosterkirchen und Beers unternehmerisches Geschick bei der gleichzeitigen Abwicklung verschiedener Bauprojekte sowie seine Anpassungsfähigkeit an lokale Gegebenheiten. Die kunsthistorische Betrachtung zweier Standesportraits, welche Franz Beer und seine Tochter Anna Maria zeigen, leistet Philipp Zitzlsperger von der Universität Innsbruck.
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