Let's talk Democracy: Gemeinsam fürs Montafon
Demokratie Dialog - Ein Format, das Dialog fördert und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Montafon stärkt
Das Projekt des Jugendforums Montafon mit Unterstützung der Jugendkoordination setzte gezielt auf Dialog und Begegnung, um gesellschaftlichen Spaltungstendenzen - verstärkt durch Krisen wie Pandemie, Krieg, Migration und Klimawandel - aktiv entgegenzuwirken. Ziel war es, einen moderierten Austausch zwischen Jugendlichen verschiedener sozialer und kultureller Gruppen zu ermöglichen, Vorurteile abzubauen, Empathie zu fördern und gemeinsam tragfähige Lösungen für ein respektvolles Miteinander zu entwickeln.
In Zusammenarbeit mit dem Jugendforum Montafon erarbeiteten die Teilnehmenden zentrale Fragestellungen und entwickelten ein gemeinsames Statement, das als Botschaft der jungen Generation an erwachsene Entscheidungsträger:innen gerichtet ist. Dieses Statement wurde in einem öffentlichen Dialog mit Jugendlichen, Vertreter:innen aus Politik, Bildung, Medien und Elternvertretung vorgestellt. Durch den Dialog auf Augenhöhe erlebten die Jugendlichen, dass ihre Stimmen ernst genommen werden. Die Erwachsenen erhielten wertvolle Einblicke in die Perspektiven der jungen Generation. Die Rückmeldungen zeigten, dass der Austausch nicht nur das Verständnis füreinander stärkte, sondern auch konkrete Impulse für ein respektvolles Miteinander gab.
Das Projekt zeichnete sich durch seinen Innovationsgehalt aus: Es verband Jugendbeteiligung, intergenerationalen Dialog und moderierte Konfliktbewältigung auf eine Weise, die die Entwicklung einer konstruktiven Gesprächskultur aktiv förderte. Gleichzeitig stärkte es die persönliche und soziale Kompetenz der Teilnehmenden und ermöglichte ihnen, ihre Selbstwirksamkeit zu erfahren.
Die im Dialog erarbeiteten Maßnahmen und Vereinbarungen dienen als Grundlage für eine langfristige Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Region Montafon. Sie zeigen, dass konstruktive Beteiligung, respektvolles Miteinander und generationenübergreifende Zusammenarbeit konkrete und nachhaltige positive Entwicklungen bewirken können und die Region insgesamt resilienter und gemeinschaftlich handlungsfähiger machen.
Das Montafon nimmt im Bereich der Jugendpartizipation mit dem Jugendforum Montafon eine Vorreiterrolle ein. Junge Menschen setzen sich durch eigenverantwortlich organisierte Projekte und Aktionen für die Interessen und Rechte ihrer Generation ein und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur demokratischen Teilhabe. Das Jugendforum wird fachlich von der Jugendkoordination der Region begleitet.
Seit einiger Zeit nehmen die Jugendlichen verstärkte Polarisierungstendenzen in ihrem Umfeld wahr. Die Bereitschaft, andere Ansichten zu respektieren und gemeinsam Kompromisse zu entwickeln nimmt ab. Darüber hinaus wirkt sich der Konsum von sozialen Medien auf die Meinungsbildung aus. Viele Jugendliche beziehen ihre Informationen immer weniger aus unabhängigen Medien. Dies führt zu isolierten „Resonanzräumen", in denen vor allem die eigene Meinung bestätigt und seltener kritisch hinterfragt wird.
Die zunehmenden Spaltungstendenzen stellen sowohl für die Demokratie als auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt eine ernsthafte Herausforderung dar. Kommunikationskanäle zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen brechen ab, und das Vertrauen gegenüber ausländischen Mitbürger:innen ist oft belastet. Diese Entwicklungen führen zu einer problematischen Dynamik, in der demokratische Institutionen infrage gestellt und politische Meinungen mitunter durch Sachbeschädigung ausgedrückt werden.
Um diesen Tendenzen entgegenzuwirken, benötigt das Montafon eine lebendige Diskussionskultur, die auch kontroverse Positionen respektiert und trägt. Das Jugendforum Montafon möchte daher als Impulsgeber:in einen Raum schaffen, in dem Ursachen für den gefährdeten gesellschaftlichen Zusammenhalt erforscht und Wege für ein konstruktives Miteinander entwickelt werden können.
Das Jugendforum Montafon schafft hierfür einen Dialograum für junge Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Zentral ist dabei, dass die jungen Menschen selbst die Themen und Fragestellungen entwickeln, die für sie von Bedeutung sind. In einem weiteren Schritt wird ein generationenübergreifender Austausch zwischen Jugendlichen und Erwachsenen angeregt, um die Gesprächskultur auf mehreren Ebenen zu stärken.
Das Projekt fördert nicht nur die persönliche und soziale Kompetenz der Teilnehmenden, sondern stärkt auch den sozialen Zusammenhalt und die demokratische Kultur in der gesamten Region.
Jugendliche des Jugendforums Montafon erarbeiteten in einem ersten moderierten Workshop eine zentrale Ausgangsfrage zum Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt. Diese Fragestellung diente als Grundlage für den anschließenden Workshop mit Jugendlichen: „Wie gelingt uns eine bessere Akzeptanz von Unterschieden im Montafon?“.
Für den zweiten Workshop im Februar wurden alle Jugendlichen im Alter von 14 bis ca. 20 Jahren mit Hauptwohnsitz im Montafon mittels einer schriftlichen Einladung persönlich eingeladen. Die anschließende Auswahl erfolgte nach definierten Kriterien, um eine möglichst große Vielfalt hinsichtlich Alter, Geschlecht, sozialem Hintergrund, Wohnort, Ausbildung, Berufsgruppen und Herkunft abzubilden. Die Jugendkoordination organisierte und koordinierte den Prozess, während das Jugendforum die Rolle der Gastgeber:innen einnahm. Der Workshop wurde als eintägige, moderierte Veranstaltung durchgeführt. Es beteiligten sich 15 Jugendliche aus den Gemeinden und drei Jugendliche vom Jugendforum Montafon. Im Workshop wurden gemeinsame Statements entwickelt, die die Perspektiven aller Teilnehmenden widerspiegelten – eine Botschaft der jungen Generation an die Montafoner Gemeinschaft. Die Botschaften bezogen sich auf die Themenfelder: Politik, Medien, Eltern und Schule. Für die jeweiligen Themen wurden konkrete Fragestellungen vorbereitet, die mit den Verantwortlichen besprochen wurden.
Im nächsten Schritt präsentierten die Jugendlichen im April 2025 ihre Fragen in einem öffentlichen Dialog den Erwachsenen. Dazu wurden Verantwortungsträger:innen, Politiker:innen sowie Vertreter:innen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und Interessensvertretungen (Eltern, Elternverein, Schulleiter:innen, Medienschaffende) eingeladen. In moderierten Gesprächsrunden hatten die Erwachsenen die Möglichkeit, die Ergebnisse der Jugendlichen zu reflektieren und gemeinsam mit ihnen konkrete, verbindliche Schritte für zukünftiges Handeln zu entwickeln. Durch den Austausch auf Augenhöhe konnten Jugendliche erleben, dass ihre Stimme ernst genommen wird, während Erwachsene neue Perspektiven und Impulse für das regionale Miteinander erhielten. Insgesamt nahmen 52 Personen (Jugendliche und Erwachsene) am öffentlichen Dialog teil.
Die Aktivitäten führten zu sichtbaren Ergebnissen: ein klar formuliertes Jugendstatement, intensive Dialogerfahrungen zwischen Jung und Alt, stärkere Vernetzung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und erste konkrete Vereinbarungen für die zukünftige Zusammenarbeit. Das Projekt fördert dadurch nicht nur demokratische Partizipation, sondern auch nachhaltigen gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Region Montafon.
Das Projekt hat das demokratische Bewusstsein und die Dialogkompetenz der Menschen im Montafon nachhaltig gestärkt. Es schuf einen Raum für respektvolle, generationsübergreifende Auseinandersetzungen und förderte den konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Meinungen. Durch die Dialogplattform konnten Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen positive Erfahrungen miteinander sammeln, Vorurteile abbauen und gegenseitiges Verständnis entwickeln. Die Teilnehmenden erlebten Selbstwirksamkeit, indem gemeinsam konkrete Handlungsschritte zur Gestaltung des Miteinanders entwickelt wurden.
Auf Aktivitätsebene konnten konkrete Ergebnisse erzielt werden: Das Jugendforum Montafon erhielt einen festen Sitz im Standesausschuss. In Feldkirch wurde erfolgreich der erste Jugendbeteiligungstag durchgeführt und zusätzlich eine Jugendumfrage umgesetzt. Zudem wurde ein Schulworkshop zum Thema Gleichberechtigung an der Mittelschule Gortipohl vorbereitet. Die Vorarlberger Nachrichten erarbeiteten darüber hinaus eine Checkliste für eine verantwortungsvolle Berichterstattung.
Die Rückmeldungen der erwachsenen Teilnehmenden betonten insbesondere den Dialog auf Augenhöhe, die klare Moderation sowie den wertschätzenden Umgang. Jugendliche berichteten, dass sie sich erstmals von der Politik ernst genommen und gehört fühlten, was ihre Bereitschaft zur aktiven Beteiligung deutlich stärkte.
Insgesamt förderte das Projekt eine offene und vielfältige Gesprächskultur, stärkte die persönlichen und sozialen Kompetenzen der Beteiligten und legte eine nachhaltige Grundlage für ein respektvolles, konstruktives und demokratisches Zusammenleben in der Region Montafon.
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