Radeln im Grenzbereich

Konzeptentwicklung und Pilotversuch zur Förderung von CO2-reduzierter Mobilität durch attraktive alltagstaugliche Radverbindungen in Kombination mit Mobilitätsstationen.

Projektdauer: 01.04.2021 - 30.06.2022

Projektträger

Gemeinde Langenegg

Bach 127

6941 Langenegg

Kurzbeschreibung

Die Energieregion Vorderwald ist eine Modellregion für eine nachhaltige, CO2-reduzierte Lebens- und Wirtschaftsweise. Sie möchte ihre Bürgerinnen und Bürger motivieren, bei Alltags- und Freizeitwegen vermehrt vom PKW auf (E-)Fahrräder und die Kombination aus Fahrrad und Öffentlichen Verkehrsmitteln aber auch Carsharing umzusteigen. Dazu sollen in Abstimmung mit Nachbarregionen, Landesbehörden und ÖPNV-Betreibern attraktive, alltagstaugliche Radwege und Umsteigepunkte – sogenannte „Mobilitätsknoten“ – geplant und ein konkreter Finanzierungs- und Umsetzungszeitplan erarbeitet werden.

Zur Ermittlung der konkreten Nachfrage nach „Bus & Bike“-Stationen wird als Pilot eine mobile und energieautarke E-Bike Abstell- und Ladebox entwickelt und in der Praxis erprobt. In Abstimmung mit Verkehrsverbund und Landbus werden hier auch die Projektinhalte, das Konzept der VMOBIL-Stationen und die Angebote der VMOBIL-Card kommuniziert.

Sofern die geplanten Radwege zur Umsetzung kommen, ist mit Investitionskosten in der Größenordnung von 4,8 Mio Euro zu rechnen. Zusätzlich könnte die Errichtung von Radstationen mit Kosten von bis zu 200.000 Euro wirksam werden.

Durch die Umsetzung der mit diesem Projekt ausgelösten Folgeprojekte – Radwege, Bus & Bike Stationen – sollen bis 2030 zwei Prozent aller PKW-Fahrten in der Region auf das Rad und zwei Prozent auf die Kombination Rad & Bus verlagert werden. Dadurch können jährlich 11 GWh Energie und über 3000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Ausgangslage

Die Energieregion Vorderwald ist eine Modellregion für eine nachhaltige, CO2-reduzierte Lebens- und Wirtschaftsweise. Als besondere Herausforderung für den Ausstieg aus der „fossilen Energiewirtschaft“ hat sich das Thema Mobilität herausgestellt. Das mehrfach preisgekrönte Beteiligungsprojekt „Paris – Vorderwald“ hat deutlich zu Tage gebracht, dass durch die neue Technologie der E-Bikes auch in der hügeligen Region des Vorderwalds viele Alltags- und Freizeitwege gut mit dem Fahrrad gemacht werden könnten.

Der Umstieg wird jedoch massiv erschwert, da im Großteil der Region und speziell auch im grenzüberschreitenden Bereich zu den deutschen Landkreisen Lindau und Oberallgäu und in Richtung des Vorarlberger Rheintals kaum brauchbare Radinfrastruktur vorhanden ist. Konkret müssen Radfahrer*innen zwischen den Orten des Vorderwalds und auch grenzüberschreitend in die deutschen Nachbarregionen in der Regel auf Landesstraßen im Mischverkehr fahren. Zunehmend wird in der ländlichen Region Vereins- und Versorgungsstruktur wie Sportplätze, Bibliotheken interkommunal organisiert. Für eine selbständige Erreichbarkeit der Einrichtungen durch Kinder und Jugendliche und damit eine gleichzeitige Reduktion der Elterntaxis ist passende Fahrradinfrastruktur unerlässlich.

Die Straßen sind speziell zu Pendlerverkehrszeiten und am Wochenende stark befahren und verfügen über einen beträchtlichen Anteil an Güterverkehr. An vielen Stellen sind die Straßenbreiten so gering, dass Überholen von Fahrradfahrer*innen bei Gegenverkehr nicht oder nur mit erheblicher Gefährdung der Radfahrenden möglich ist. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit für KFZ außerhalb der Ortsgrenzen liegt vielfach bei 80 km/h – was die Attraktivität und das Sicherheitsgefühl der Radfahrenden zusätzlich beeinträchtigt. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2020 ein regionales Radroutenkonzept erarbeitet, in dem die Grundlagen für die mögliche Verbesserung der Radinfrastruktur festgelegt sind.

Im Vergleich zu anderen ländlichen Regionen verfügt die Region Vorderwald über einen gut ausgebauten öffentlichen Busverkehr. Das Vorarlberger Rheintal und der Mittlere Bregenzerwald sind teilweise mit einem 30-Minutentakt erreichbar. Allerdings befinden sich – bedingt durch den Streusiedlungscharakter der Region – nur ein geringer Teil der Bushaltestellen in fußläufiger Entfernung zur Wohnbevölkerung. Durch die Errichtung von attraktiver Rad-Infrastruktur und sicheren, witterungsgeschützten Abstellplätzen für Fahrräder und E-Bikes bei wichtigen regionalen ÖV-Knotenpunkten könnte die Kombination von Bus und E-Bike und damit das Einzugspotential des öffentlichen Verkehrs in der Region deutlich ausgebaut werden.

Ziele/Wirkung

  • Voraussetzung, dass sich Bewohner*innen der Region E-Bikes und ÖPNV-Jahreskarten anschaffen, ist die Existenz einer sicheren, attraktiven Infrastruktur.
  • Ziel ist es, Planungsgrundlagen in einer Qualität zu erhalten, die es ermöglichen, konkrete Gespräche mit Grundeigentümer*innen und potentiellen Förderstellen aufzunehmen und damit eine zeitnahe Realisierung erreichen zu können.
  • Mit der Errichtung dieser Infrastruktur-Elemente sollen die notwendigen Voraussetzungen für eine nachhaltige Verkehrswende und die Nutzung des E-Bike-Trends geschaffen werden. Ein Trend, der die Nutzung des Fahrrads als CO2-freies Alltagsverkehrsmittel und die Kombination aus Rad und ÖV auch in hügelige Regionen möglich gemacht hat.
  • Die Energieregion Vorderwald möchte mit dem LEADER-Projekt zeigen, dass eine CO2-arme, multimodale Mobilität nicht nur in urbanen Metropolitan-Regionen, sondern auch in ländlichen Gebieten möglich ist, wenn die dafür notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden.
  • Ziel des Projekts ist es, durch ein umsetzbares Infrastrukturkonzept Bürgerinnen und Bürger mittelfristig zum Umstieg bzw. zum Einstieg in die alltagsbezogene E-Bike-Mobilität sowie in die Nutzung der Kombination von Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen.

Inhalte

Durch ein Fachplanungsbüro sollen in Zusammenarbeit mit Vertreter*innen der Standortgemeinden, dem Landbus Bregenzerwald, dem Verkehrsverbund Vorarlberg und der Nachbarregionen in Deutschland potentielle Standorte zur Errichtung von Bus- und Bike- bzw. „Mobilitätsknoten“ mit Carsharing-Auto identifiziert werden. Es sollen für jede als sinnvoll identifizierte Station sowohl die konkrete Ausstattung und Lage der Station sowie die zu erwartenden Kosten und mögliche Förderungen erarbeitet werden. Beispielsweise sollen Lage, Art, Ausstattung und Anzahl von Radabstellanlagen an solchen Stationen definiert werden und die Voraussetzungen und Potentiale von E-Carsharing-Autos an solchen „Mobilitätsknoten“ geprüft werden. Zur Ermittlung der konkreten Nachfrage nach solchen Stationen soll als Pilot eine mobile und energieautarke (E-)Bike Abstell- und Ladebox entwickelt und in der Praxis erprobt werden. In Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Verkehrsverbund und dem Landbus Bregenzerwald sollen hier auch das Konzept der VMOBIL-Stationen und die Angebote der VMOBIL-Card kommuniziert werden.

Parallel zur Planung der Mobilitätsknoten sollen durch ein Fachplanungsbüro Pläne für die Errichtung von attraktiven, alltagstauglichen Radverkehrsanlagen für ausgewählte, grenzüberschreitende Verbindungen, Verbindungen zwischen den Gemeinden und speziell auch Anbindungen zu den Mobilitätsknoten erarbeitet werden. Auch diese Planungen sollen in enger Abstimmung mit Vertreter*innen der Standortgemeinden, des Landes Vorarlbergs als Straßenerhalter der Landestraße und der Nachbarregionen in Deutschland erfolgen. Auch hier sollen nach Projektabschluss konkrete Unterlagen zu Flächenbedarf, Kosten und möglichen Zeitplänen vorliegen.

Die Ergebnisse der Planungen sollen mit den Entscheidungsträger*innen aller betroffenen Akteure (Gemeinden, ÖPNV-Betreiber, Landeseinrichtungen, Nachbarregionen) abgestimmt und ein möglichst konkreter Umsetzungszeitplan vereinbart werden.

Resultate

  • Es liegen konkrete Planungsgrundlagen für die Errichtung von regionalen Mobilitätstationen und wichtigen alltagstauglichen Radverkehrsanlagen in der Grenzregion Vorderwald vor.
  • Die Planungsgrundlagen beinhalten belastbare Aussagen über Grundbedarf und Errichtungskosten der Anlagen und sind mit den relevanten Entscheidungsträger*innen abgestimmt.
  • Es liegt ein konkreter Bericht vor, in dem definiert ist, wer sich um die Umsetzung welcher Projektinhalte kümmert und in welchem Umsetzungszeitraum die Projektumsetzung erfolgen soll.

Bezug zum Programm

  • 1WS.09 Bürger zu Investitionen in die Energieerzeugung, -effizienz und CO2-reduzierter Mobilität bewegen
  • Regionales Radroutenkonzept des Land Vorarlberg Jahr 2020
  • Förderung von Multimodalen Mobilitätsknoten durch die E-Mobilitätsförderung des Bundes 2021
  • Smart Mobility beim Verkehrsverbund Vorarlberg und Mobilitätskarte VMOBIL Card, Partnereinbindung, VMOBIL Station
  • klimaaktiv mobil Bund-Land-Partnerschaft zum Ausbau des Radverkehrs (02-2021)
  • Interreg VI ABH Maßnahme 8: Bau von Radwegen zur Reduzierung der Luftverschmutzung im Verkehr (Pendler, Tourismus…)