Natur bewusst erleben

Analyse der Ökosystemleistung als Basis für die Naturvermittlung und Lenkung der Freizeit- und Lebensraumnutzung im Kleinwalsertal.

Projektdauer: 01.07.2018 - 31.03.2020

Projektträger

Gemeinde Mittelberg/Riezlern

Walserstr. 52

6991 Mittelberg

Kurzbeschreibung

Fruchtbarer Boden, sauberes Trinkwasser, Schutz vor Naturgefahren und Erholungsfunktion: Die von der Natur erbrachten sog. „Ökosystemleistungen“ haben eine zentrale Bedeutung für das menschliche Leben. Mit wachsendem Druck auf den Naturraum durch die verschiedensten Nutzungen werden diese Leistungen allerdings immer knapper. Umso wichtiger ist es, ihre Bedeutung aufzuzeigen und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Das Projekt „Natur bewusst erleben“ beschäftigt sich genau mit dieser Aufgabe, fördert das Bewusstsein für die Naturvielfalt im Kleinwalsertal und deren positive Bedeutung. „Natur bewusst erleben steht dabei für:

  • Natur = Ökosystemleistung,
  • bewusst = Sensibilisierung,
  • erleben = innovative Vermittlung.

In diesem Rahmen wird mit Unterstützung externer Experten eine vermittelbare Struktur erarbeitet, die detailliert aufzeigt, wie die entsprechenden Schwerpunktthemen 365 Tage im Jahr lang erlebbar gemacht werden können.

„Natur bewusst erleben“ umfasst drei Schwerpunkte: Mit fachlicher Unterstützung durch externe Experten wird in einem ersten Schritt der Ist-Zustand des Naturraums mit Fokus Grünland, Moore und Wälder im Kleinwalsertal mit seinen Ökosystemen analysiert sowie qualitativ und quantitativ bewertet. Die Auseinandersetzung mit der Ökosystemleistung der Lebensräume und deren Wechselwirkungen spielt dabei eine zentrale Rolle, zeigt sie doch den Nutzen auf, den Menschen von Ökosystemen beziehen.

Die erarbeiteten Themen fließen in einem zweiten Schritt in ein umsetzungsreifes Konzept für die Lenkung der Freizeit- und Lebensraumnutzung im Kleinwalsertal ein und sollen für die Gemeinde Mittelberg ergänzend zum REK, Biotopinventar und dem Wildökologischen Konzept auch als Entscheidungshilfe bei Nutzungskonflikten und bei der Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur dienen.

Im dritten Schritt werden detaillierte Vorschläge für die innovative Vermittlung der Inhalte erarbeitet. Im Fokus steht dabei der ganzjährige Zugang zu den Informationen. Dabei sollen insbesondere die Erlebbarkeit im Naturraum selbst, die Vermittlung sowie die Einbeziehung digitaler Erlebnisse berücksichtigt werden.

Ausgangslage

Der Naturraum des Kleinwalsertals verfügt über eine Vielfalt an Landschaften, die vor allem aufgrund ihres Natürlichkeitsgrades, ihrer Seltenheit und dem Vorkommen geschützter Arten (Tier- und Pflanzenarten) und Lebensgemeinschaften als besonders wertvoll einzustufen sind. Mit der Aktualisierung des Biotopinventars Vorarlberg im Jahr 2010 wurden im Kleinwalsertal insgesamt vier Großraumbiotope und 50 Kleinraumbiotope ausgewiesen. Hinzu kommt mit der Karstlandschaft des Hohen Ifen / Gottesacker ein international bedeutendes und grenzüberschreitendes neu an die Europäische Kommission nominiertes Natura-2000 Gebiet. Für diese sensiblen Bereiche kommt der Allgemeinheit eine europäische Verantwortung zu, die im Rahmen der menschlichen Nutzung auch des besonderen Schutzes bedarf. Ziele und Schutzkriterien müssen für diese großflächige Gebietsausweisung initiiert, definiert und in der Region kommuniziert werden.

Intakte Ökosysteme liefern vielfältigen Nutzen. Neben der ökologischen Wohlfahrtswirkung, der landschaftspflegerischen, landeskulturellen und wissenschaftlichen Bedeutung der einzelnen Biotope, zeigt sich der Wert der Lebensräume auch darin, dass sie eine wichtige Grundlage für die Lebensqualität darstellen (gute Luft, reines Wasser, Nahrungsmittel, Erosions- und Lawinenschutz, Erholungswert, etc.). Zusätzlich bildet der Naturraum auch die zentrale Basis für das touristische Angebot im Kleinwalsertal und ist somit von herausragender Bedeutung für die regionalen Wirtschaftskreisläufe.

Trotz vieler Initiativen für eine entsprechende Informationsvermittlung, sind die Besonderheiten sowie die Bedeutung und Leistungen des Ökosystems für die Bürger und Gäste im Kleinwalsertal bisher nicht immer unmittelbar erkenn- und erlebbar. Die vielfältigen Ansprüche und der Nutzungsdruck bringen eine Beanspruchung und mitunter auch eine Gefährdung der natürlichen Grundlagen samt Interessenskonflikten mit sich, die durch eine geeignete Bündelung und Information in der Region verhindert werden kann. Das Projekt „Natur bewusst erleben“ wird genau hier ansetzen und nach der Prämisse „Bewusstsein schaffen durch Wissen“ zu einer nachhaltigen und weitreichenden Sensibilisierung beitragen.

Ziele/Wirkung

Ziel der Gemeinde Mittelberg ist es mit der Konzeptentwicklung „Natur bewusst erleben“, die Themen Naturvielfalt und die Leistung der Natur für den Menschen im Kleinwalsertal 365 Tage im Jahr erlebbar zu machen, in das Zentrum des öffentlichen Interesses zu rücken und somit zu einer nachhaltigen Sensibilisierung und Lenkung der Freizeit- und Lebensraumnutzung beizutragen. Mit einer innovativen Informationsvermittlung werden alle Generationen angesprochen und angeregt, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Insbesondere Kinder und Jugendliche werden hier als zentraler Schlüssel zur nachhaltigen Bewusstseinsbildung angesehen.

Mit der intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik und der Bewusstseinsbildung zum Wert der Natur leistet die Gemeinde Mittelberg einen Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der Nutzung der natürlichen Ressourcen. Möglichen Interessenskonflikten und widerstreitenden Nutzungen in sensiblen Landschaftsräumen kann vorgebeugt werden – im Umkehrschluss wird ein Mehrwert aus dem naturräumlichen Angebot eröffnet. Dies soll auch die Gemeindearbeit in Bezug auf die Raumplanung in diesem sensiblen Bereich entlasten. Ziel ist die Schaffung von Synergieeffekten mit Multiplikatorwirkungen. Zusätzlich können durch das Projekt positive Effekte auf relevante Themen wie z.B. Freizeitnutzung erzielt werden. Nicht zuletzt trägt das hohe Gästeaufkommen mit rund 1,5 Mio. Nächtigungen im Jahr dazu bei, dass das Bewusstsein weit über die Gemeindegrenzen hinaus ihre nachhaltige Wirkung entfalten kann.

Inhalte

Für die Erarbeitung des Konzeptes „Natur bewusst erleben“ wird unter Leitung externer Experten eine Arbeitsgruppe mit einer erforderlichen Anzahl von thematisch relevanten Ansprechpersonen eingerichtet.  In Workshops der Arbeitsgruppe werden die drei Schwerpunkte bearbeitet: In einem ersten Schritt werden der Ist-Zustand des Naturraums von 9.600 ha mit seinen Ökosystemen, die Kernthemen sowie Ziele unter Berücksichtigung bestehender Arbeiten und Studien wie z.B. dem Biotopinventar oder dem REK definiert, analysiert sowie qualitativ und quantitativ bewertet.
Im zweiten Schritt wird mit fachlicher Begleitung von der Arbeitsgruppe ein umsetzungsreifes Konzept für die Lenkung der Freizeit- und Lebensraumnutzung im Kleinwalsertal erstellt.  Abschließend werden von der Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Fachexperten detaillierte Vorschläge für die innovative Vermittlung der Inhalte erarbeitet. Im Fokus steht dabei der ganzjährige Zugang zu den Informationen. Dabei sollen insbesondere die Erlebbarkeit im Naturraum selbst, die Vermittlung (z.B. in Form von Exkursions- und Wanderangeboten, NaturführerInnen oder einer Ausstellung) sowie die Einbeziehung digitaler Erlebnisse berücksichtigt werden.

Resultate

  • Analyse der Ökosystemleistungen mit Fokus auf die Naturräume Grünland, Moore und Wälder im Kleinwalsertal (Gebiet von 9.600 ha) unter fachlicher Begleitung.
  • Detaillierte Aufbereitung der im Prozess erarbeiteten Schwerpunktthemen unter besonderer Berücksichtigung der Ökosystemleistungen im Hinblick auf eine ganzjährig zugängliche Bewusstseinsbildung durch Wissen.
  • Konzept für die Lenkung der Freizeit- und Lebensraumnutzung im Kleinwalsertal
  • Konzeptpapier für die innovative Vermittlung der Thematiken und Schaffung weiterer Synergieeffekte in der Region.
  • Dokumentation des gesamten Planungsprozesses der Konzepterstellung.

Bezug zum Programm

  • Maßnahme LES 2020
    2NH.01 Gezielte Auseinandersetzung mit der Ökosystemleistung führen
  • Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Vorarlberg

Weitere Informationen

24.6.2019: Newsbericht zur Analyse der Ökosystemleistungen

7.12.2018: Newsbericht zur Analyse der Freizeitnutzung

25.9.2018: Newsbericht zur Auftaktveranstaltung