Treffpunkt Biene
Sektorübergreifende Kooperation im Leiblachtal zur Verortung und Sichtbarmachung des regionalen Angebots (Produkte, Services und Wissensvermittlung) rund um die Biene
Im Leiblachtal verbinden sich seit Jahrzehnten Imkerei, Obstbau und Gartenkultur mit ehrenamtlichem Engagement. Die Biene als treue Bestäuberin sichert den Obstertrag und ist wirtschaftlich unverzichtbar. Dem Bienenzuchtverein Hörbranz-Leiblachtal, seit 1912 aktiv, fehlt bisher ein gemeinsamer Ort für Ausbildung, Gerätelager und Wissensvermittlung.
Projektziel ist ein multifunktionaler regionaler Bienenstandort im Leiblachtal mit historischem Bienenhaus und neuem multifunktionalen Holzbau, der Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit und Vermarktung regionaler Bienenerzeugnisse vereint. Die Gebäude können als Ausbildungsstätte für Jungimker:innen, als Außenklassenzimmer für Schulen und Interessierte, als Räumlichkeiten für Vereinsaktivitäten und als eine Verkaufsstelle für gemeinsame Bienen-Produkte genutzt werden.
Die Umsetzung erfolgt durch den Aufbau der Infrastruktur in Kooperation mit lokalen Betrieben und Gemeinden, um Biodiversität, Bildung und regionale Wertschöpfung nachhaltig zu stärken und das Thema zu verorten.
Im Leiblachtal bestehen starke Traditionen und Verknüpfungen in den Bereichen Imkerei, Obstbau, Gartenkultur und dem damit verbundenen ehrenamtlichen Engagement.
In den 1940er Jahren war das Leiblachtal beidseits der Grenze geprägt vom Obstbau. In den letzten Jahren wird die Anzahl an Obstplantagen im österreichischen Leiblachtal durch verschiedene Betriebe und die Landwirtschaft wieder ausgebaut.
Hierzu ist die Biene als blütentreue Bestäuberin ein besonderer wirtschaftlicher Faktor, den es zu pflegen und zu vermehren gilt. Die Biene bleibt der Blüte, mit der sie begonnen hat, treu und wechselt nicht zwischen Apfel, Birne oder Wiesenblumen. Ohne Bienen würde im Obstbau ein Ertragsverlust von 40-60 Prozent drohen.
Der Bienenzuchtverein Hörbranz-Leiblachtal besteht seit 1912 und zählt über 100 Mitglieder aus den Leiblachtalgemeinden Hörbranz, Lochau, Hohenweiler, Eichenberg und Möggers, aber vereinzelt auch über die Grenzen des Leiblachtals hinaus. Bislang hat der Verein keinen gemeinsamen Ort, um die Ausbildung der Jungimkerinnen und Jungimker gut begleiten zu können, die für die Imkerei notwendigen Leihgeräte für die Mitglieder zu bevorraten und Besuche von Interessierten (z. B. Kindergarten, Schulen und Bevölkerung) zur Wissensvermittlung professionell abzuwickeln.
Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Biodiversität, Bestäubungsleistung, Umweltbildung und naturnahe Gestaltung von Grünräumen bis hin zu Gärten. In Vorarlberg sind sowohl die Imkerei als auch die Obst- und Gartenkultur landesweit fachlich organisiert und in der Bildungsarbeit aktiv, wodurch eine sichere Grundlage für gemeinsame Projekte besteht.
Der Bienenzuchtverein ist mittlerweile seit über zehn Jahren bemüht, einen gemeinsamen sichtbaren Ort umzusetzen. 2016 wurde eine Lehrbienenstand in einem LEADER Kleinprojekt erstmals konkretisiert, konnte aber aufgrund von aufkommenden Interessenskonflikten und behördlichen Rahmenbedingungen bis heute nicht realisiert werden. Jetzt liegt die Baugenehmigung am neu gefundenen Grundstück vor.
Ziel des Projekts ist die Errichtung eines multifunktionalen Ortes für Bienen und ihre Imkerinnen und Imker. Der Ort vereint die Funktionen zentrale Ausbildungsstätte für Jungimker:innen; sichtbare Anlaufstelle für Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen und gemeinsame Vermarktung von Bienenprodukten sowie Treffpunkt für Vereinsaktivitäten.
Vorort werden den Vereinsmitgliedern alle notwendigen Gerätschaften für die Bienenzucht, Honigverarbeitung und Hygienemaßnahmen zur Verfügung gestellt, was besonders für Neuimker:innen einen leichten Einstieg ermöglicht und gewisse Qualitätsstandards sicherstellen kann.
Im Projekt soll eine regional verortete Drehscheibe entstehen, auf der fachlicher Austausch, praktische Wissensvermittlung, gemeinschaftliche Aktivitäten und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen gebündelt werden.
Das Projekt schafft durch die Zusammenführung der Gemeinden, Betriebe, Landwirtschaft, Bildungsanbieter:innen und Akteur:innen zum Thema einen klaren regionalen Mehrwert für das Leiblachtal. Es stärkt dadurch die regionale Identität, verbessert die Sichtbarkeit ehrenamtlicher Arbeit und leistet einen konkreten Beitrag zu Biodiversität, Umweltbildung und trägt zur praxisnahen Wissensvermittlung bei.
Mit dem Projekt entsteht ein regional verankertes Kooperationsvorhaben, das bestehende Kompetenzen bündelt und neue Synergien zwischen Imkerei, den Gemeinden, Schulen und der Bevölkerung schafft. Das Projekt verbindet Umweltbildung, Biodiversität, Ehrenamt und regionale Zusammenarbeit und Produkte in einer Form, die langfristig wirksam, sichtbar und ein Gewinn für die gesamte Region Leiblachtal sein soll.
Am neuen regionalen Bienenstandort im Sannwald gegenüber vom ECO-Park, leicht erreichbar durch zwei Bushaltestellen (aus beiden Richtungen) und in direkter Nachbarschaft mit einer Obstplantage werden die Vereinsmitglieder mit Fachfirmen zwei Objekte errichten.
Glanzstück und Heimat für die Bienen wird ein altes zweistöckiges Bienenhaus mit Wendeltreppe aus dem Jahr 1946. Das einmalige Bienenhaus wird in der „Parzelle Diezlings“ ab- und am neuen Standort im Sannwald und ausgerichtet nach der Sonne wiederaufgebaut. Es kann 20 Bienenvölker aufnehmen und wird für Schulungszwecke und zur Wissensvermittlung im Jahreskreis verwendet. So können auch „verstecke“ Tätigkeiten sichtbar gemacht werden: Reinigung, Wachs schmelzen, Flicken von Bienenkästen etc. In die Zukunft gedacht könnte über den Standort sogar Bienenstocklufttherapie (Apitherapie) angeboten werden.
Das zweite Gebäude, ein multifunktionaler Holzneubau, welcher über ein Lehrlingsprojekt mit viel Eigenleistung entstehen wird, beinhaltet einen Verarbeitungsraum nach gültigen Hygienestandards, einen Besprechungsraum mit WC und einen offenen Bereich dazwischen für Hol- und Bringdienste. Die Bereiche werden über einen gemeinsamen Dachraum als Lagerstätte verbunden.
Anhand der neuen Infrastruktur wird eine Ausbildungsstätte für Jungimker:innen und ein thematisches „Außenklassenzimmer“ für Kindergarten, Volks- und Mittelschulen im Leiblachtal entstehen. Von Biologie, Geschichte, Werken bis hin zum Kochunterricht ist hier viel möglich. Die neuen Räume bieten Platz für Geräte, Schutzanzüge und Informationsmaterial. Dazu soll durch den Bienenzuchtverein in Zusammenarbeit mit zum Beispiel Obst- und Gartenbauverein, Landesimkerverband und Lehrpersonen ein Bildungsangebot zum Thema der Biene, Imkerei in Verbindung mit Obst- und Gartenbau entstehen. Dieses Format wird ergänzt durch Fachveranstaltungen für Vereinsmitglieder und die interessierte Bevölkerung.
Unterstützend im Projekt wirken bisher mit die Firmen i+R Schertler GmbH, Haberkorn GmbH, Feinbrennerei Thomas Prinz GmbH und die Gemeinden Hörbranz, Lochau, Hohenweiler, Eichenberg und Möggers. Diese Partner:innen bringen fachliche, organisatorische, infrastrukturelle und regionale Kompetenzen in das Projekt ein und stärken die überörtliche Wirkung des Vorhabens.
Neben den neuen Services für Vereinsmitglieder und dem Angebot zur Wissensvermittlung soll als Drittes am Standort die Vermarktung und der Verkauf von gemeinsamen Produkten (lokales Label für Leiblachtal-Honig und Bienenerzeugnisse) aufgebaut werden. Diese zentrale Bezugsstelle leistet dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit und Sichtbarmachung für und von den Imker:innen der Region und ihren Produkten. Wichtig ist, dass am Standort nicht Produkte einzelner Imker:innen, sondern nur gemeinsame Produkte angeboten werden. Hierzu gilt es, Vereinbarungen zu treffen wie und in welchem Ausmaß der Verein Bienengrundprodukte (Honig, Propolis, Wachs,…) für den gemeinsamen Vertrieb erhält (durch Nutzung der Infrastruktur, durch Teilnahme an Schulung, als Überschussvermarktung oder als Teil des Mitgliedsbeitrages,… ) und weiter veredelt.
Mit diesen drei sektorübergreifenden und kooperativen Aktivitäten sollen das regionale Angebot rund um die Imkerei (Produkte, Services und Wissensvermittlung) sichtbar gemacht werden, das Know-how für regionale Wertschöpfung und die regionale Produktion gesteigert und über einen gemeinsamen Verkaufspunkt die Zugänglichkeit erleichtert werden.