STOFF/WIESE
                                    
                                    © Foto: FMH, Markus Mosman Vor dem Frauenmuseum wächst ein temporärer Materialgarten für nachhaltige Mode.

                                    
                                        STOFF/WIESE
                                    
                                    © Foto: FMH Stefanie Momo Beck None

                                    
                                        STOFF/WIESE
                                    
                                    © Foto: FMH Stefanie Momo Beck None

                                    
                                        STOFF/WIESE
                                    
                                    © Foto: FMH Markus Mosman None

                                    
                                        STOFF/WIESE
                                    
                                    © Foto: FMH Markus Mosman None

STOFF/WIESE

LES 23-27

Projektträger:in Frauenmuseum Hittisau 6952 Hittisau

12. Dezember 2024
31. Oktober 2025

Ein Materialgarten und Vermittlungsformat für nachhaltige Mode

Die Textilindustrie ist weltweit für etwa 10 % der CO2-Emissionen verantwortlich – mehr als die internationale Luftfahrt und die Seeschifffahrt zusammen – und trägt zu rund 20 % der globalen Wasserverschmutzung bei. Mit dem Aufstieg der Fast Fashion hat sich ihr Produktionsvolumen in den letzten Jahren rasant erhöht. Gleichzeitig wird allein in Österreich jedes achte Kleidungsstück weggeworfen. 

Die Ausstellung STOFF/WECHSEL im Frauenmuseum Hittisau hat diese Problematik zum Anlass genommen, einen kritischen, feministischen Blick auf die Fast-Fashion-Industrie zu werfen. Ergänzend dazu lud die STOFF/WIESE, ein Materialgarten für nachhaltige Mode vor dem Museum, dazu ein, regionale, historische Rohstoffe für die Textilproduktion wachsen und gedeihen zu sehen. Besucher:innen und Passant:innen erhielten so einen direkten Zugang zu den Pflanzen und Materialien, die als Basis für nachhaltige Textilien dienten. 

Gerade in Vorarlberg spielte die Textilindustrie eine zentrale Rolle. Der Bregenzerwald prägte mit Heimarbeit und Stickerei maßgeblich die Entwicklung der Branche. Zudem war die Region einst ein wichtiger Anbauort für Rohstoffe wie Flachs oder Brennnesseln. Die Arbeitslast dieser Wirtschaftszweige lag dabei oft auf den Schultern von Fabriksarbeiterinnen, Heimarbeiterinnen und Landwirtinnen. 

Die STOFF/WIESE knüpfte an diese Geschichte an. Hier wuchsen im Sommer 2025 traditionelle und moderne Pflanzenarten für die Textilproduktion sowie Pflanzen zur Herstellung von Naturfarbstoffen. Eine digitale Analyseplattform (=STOFF/WIESE Website), informative Beschilderungen und Vermittlungsaktivitäten machten Wissen über den Anbau und die Verarbeitung von Rohstoffen sowie über die sozialen und historischen Bedingungen der Textilindustrie zugänglich – sowohl in Vorarlberg als auch im globalen Kontext.

Durch die haptische Auseinandersetzung mit textilen Rohstoffen und ihrem Anbau sensibilisierte die STOFF/WIESE für die Herausforderungen der heutigen Textilindustrie. Sie regte dazu an, alternative Wege aufzuzeigen, wie Rohstoffe regional, nachhaltig und ressourcenschonend produziert werden können.

Der Vorplatz des Frauenmuseums Hittisau besteht derzeit aus einer ungenutzten Wiese mit angrenzender Böschung, einem Brunnen sowie einem Fußweg, der zum Museum und von dort wegführt. Diese Fläche wurde bislang nicht als Aufenthaltszone gestaltet: Es fehlen Sitzmöglichkeiten, Beschattung oder eine ansprechende Nutzung. Der Bereich dient momentan ausschließlich als Wegführung und wird für die Präsentation und Kommunikation des Museums nach außen nur minimal genutzt.

Das Frauenmuseum Hittisau möchte diesen Raum aktiv gestalten und bespielen, um das Thema Fast Fashion und die damit verbundenen Herausforderungen sichtbar und erlebbar zu machen.

Die STOFF/WIESE soll ein offener, frei zugänglicher Ort für alle sein – für Besucher:innen, Passant:innen, umliegende Schulen und kommunale Einrichtungen. Sie bietet die Möglichkeit, sich über nachhaltige Textilproduktion zu informieren, Pflanzenwachstum und Rohstoffgewinnung hautnah zu erleben oder einfach im Grünen zu verweilen und neue Energie zu tanken. Ziel ist es, ein bewussteres Verständnis für den Umgang mit Kleidung und deren Entstehungsprozess zu fördern.

Die STOFF/WIESE fungiert als Lernort, der auf anschauliche, greifbare Weise einlädt, sich mit den Themen Fast Fashion und der Geschichte der Textilproduktion auseinanderzusetzen. Dieser Ort spricht Menschen aller Altersgruppen und sozialen Hintergründe an. Dank des befestigten Fußwegs ist er barrierefrei zugänglich, und der vorhandene Brunnen erleichtert die Wasserversorgung der Pflanzen.

Durch diese Transformation wird der Vorplatz des Frauenmuseums Hittisau zu einem lebendigen Raum, der sowohl der Wissensvermittlung als auch der Erholung dient und die Verbindung zwischen Kultur, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft stärkt.

Im Rahmen der Vermittlungsaktivitäten wurden die Inhalte der STOFF/WIESE zunächst unter historischen, geschlechterspezifischen und nachhaltigen Aspekten aufgearbeitet. Auf dieser Grundlage entstanden Texte für Beschilderungen, Werbemittel und die Online-Präsenz, die durch eine projektbezogene Corporate Identity (CI) gestalterisch begleitet wurden. 

Ein projekteigener Webauftritt diente als Informationspool, in dem Dokumentationen zu Entwicklungsschritten, Herausforderungen und Veröffentlichungen rund um das Thema gesammelt und zugänglich gemacht werden konnten. 

Regelmäßige Gartenbegehungen während der Projektlaufzeit ermöglichten es, den Fortschritt der STOFF/WIESE zu analysieren, zu dokumentieren und sowohl digital (auf der Analyseplattform) als auch analog (bei Begehungen) sichtbar zu machen. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wurden die gewonnenen Erkenntnisse didaktisch aufgearbeitet und in die aktuelle Ausstellung des Museums integriert. Die Weitergabe des Wissens erfolgte auch im Rahmen praktischer Gartenführungen und gezielt mit den Schüler:innen der Volks- und Mittelschule in Hittisau. 

Ursprünglich war im Projekt eine Veranstaltung zur Erntezeit mit Vortragenden geplant und auch Kosten kalkuliert. Im Projektverlauf wurde entschieden, statt der Veranstaltung im Herbst einen Podcast mit unterschiedlichen Expert:innen aufzunehmen. Dieser ist auf der Website der STOFF/WIESE anzuhören (https://www.stoffwiese.at/fachwissen). Über den Podcast können längerfristig mehr Personen erreicht und für das Thema sensibilisiert werden. Außerdem fand Ende Juni 2025 eine große Veranstaltung „25 Jahre Frauenmuseum Hittisau“ statt, bei dem die STOFF/WIESE mit vorgestellt wurde. Der personelle Aufwand für die Organisation, Vorbereitung, Recherche und Nachbereitung der sechs Aufnahmen für den Podcast ist mit denen für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung vergleichbar. Die Interviews wurden von einer Kulturvermittlerin geführt. 

In der Umsetzungs- und Betreuungsphase der STOFF/WIESE wurden zunächst Partner:innen für Saatgut, Jungpflanzen, Gartenplanung, praktische Umsetzung und laufende Pflege gesucht. Es wurde festgelegt, welche Pflanzen angebaut werden sollen, dazu Basisbeschreibungen erstellt und begleitendes Fotomaterial gesammelt. Ein detaillierter Gartenplan wurde entwickelt, der Blüh- und Keimfolgen über die Jahreszeiten berücksichtigte.

Der Boden wurde entsprechend den Anforderungen der ausgewählten Pflanzen vorbereitet, Beete angelegt, Rankhilfen und notwendiges Zubehör ergänzt. Jungpflanzen wurden entweder gekauft oder herangezogen. Von der Planung bis zur Pflege gab es einen kontinuierlichen Austausch mit externen Partner:innen, Kulturvermittler:innen sowie einer zentralen Ansprechpartner:in für Entscheidungen und Problemlösungen. 

Die Aufgaben wie Jäten, Wässern und Düngen wurden von den Kulturvermittler:innen übernommen, um die Pflanzenpflege sicherzustellen und den Projektfortschritt nachhaltig zu begleiten.

Gegen Projektende fand in der Bibliothek des Frauenmuseums Hittisau eine Pop-Up Ausstellung zur STOFF/WIESE und den angebauten Pflanzen statt, die das Projekt dokumentiert und dessen Wirkung verlängert und breiter zugänglich gemacht hat.

Die STOFF/WIESE verwandelte eine bisher ungenutzte Fläche in einen Lern- und Verweilort, der bereits außerhalb der Museumsräume mit Besucher:innen und Passant:innen in Dialog trat. Sie machte das Ausstellungsthema auf anschauliche und niedrigschwellige Weise erlebbar, wodurch mögliche Berührungsängste abgebaut wurden. Das direkte Erleben des Pflanzenwachstums schaffte eine neue, bewusste Beziehung zu den Rohstoffen der Modeproduktion und sensibilisierte für einen nachhaltigen Umgang mit Kleidung. 

Begleitet wurde die STOFF/WIESE durch Maßnahmen wie eine digitale Analyseplattform, informative Beschilderungen und gezielte Kommunikationsangebote. Interessierte wurden so eingeladen, sich vertieft mit der Textilproduktion und ihrer regionalen Geschichte auseinanderzusetzen. Gleichzeitig wurde die STOFF/WIESE eng in die Ausstellung und die pädagogischen Aktivitäten des Museums integriert. 

Darüber hinaus diente die STOFF/WIESE als Vernetzungsplattform für regionale Akteur:innen aus den Bereichen Landwirtschaft, Naturschutz, Textilchemie und Geschichte. Konkret wurden Kooperationen mit der Landwirtschaftsschule Hohenems, den Schulen in Hittisau und der Via Campesina Österreich (eine internationale Bewegung von Kleinbäuer:innen und Landarbeiter:innen) umgesetzt: Die Landwirtschaftsschule Hohenems hat die Pflanzen vorgezogen, den Boden vorbereitet und bepflanzt. Die Schulen in Hittisau (Volksschule und Mittelschule) haben an Vermittlungsaktivitäten teilgenommen. Und mit der Via Campesina hat es einen intensiven Erfahrungsaustausch in Hittisau gegeben. 

Eine digitale Analyseplattform dokumentierte fortlaufend den Anbau, das Pflanzenwachstum sowie die Herausforderungen und Erfolge des Materialgartens. Diese Daten wurden auf der Stoff/Wiese Website öffentlich zugänglich gemacht und sind es nach wie vor. Zum Zeitpunkt der Ernte war eine Ergebniszusammenfassung geplant, begleitet von einer öffentlichen Veranstaltung, bei der Expert:innen aus den genannten Bereichen über Nachhaltigkeit in der Textilproduktion und mögliche Alternativen zur Fast Fashion diskutieren sollten. Im Laufe des Projektes hat sich allerdings herausgestellt, dass die Konzeption und Produktion eines Podcasts zum Thema eine sinnvollere Weiterentwicklung des Projektes darstellen würde. 

Die gewonnenen Erkenntnisse aus der STOFF/WIESE, den Analysen und Diskussionen werden zukünftigen Projekten als wertvolle Grundlage zur Verfügung gestellt und tragen dazu bei, nachhaltige Lösungen für die Textilindustrie weiterzuentwickeln.

Nutzung und Verbreitung

Die innerhalb des Projekts erarbeiteten Inhalte werden weiterhin im Rahmen von Ausstellungen, Vermittlungsprogrammen und Führungen genutzt. Die digitale Plattform bleibt bestehen und wird laufend ergänzt. Der begleitende Podcast ist öffentlich zugänglich und wird auch über Bildungskooperationen (z. B. mit Schulen) weiterverwendet. 

Ein Teil der STOFF/WIESE bleibt dauerhaft erhalten: Alle mehrjährigen Pflanzen werden in einer reduzierten Variante des Gartens weiter gepflegt und saisonal betreut. Dadurch bleibt die Fläche ein lebendiger Lernort, der über das Projektende hinaus als Ort der Wissensvermittlung, Begegnung und Reflexion in den Museumsbetrieb integriert ist.

REGIO-V Newsletter

Mit unserem Newsletter informieren wir Sie einmal monatlich über Neues von der Regio-V, aus unseren Projekten, von unseren Mitgliedsorganisationen, über Fördermöglichkeiten und Ausschreibungen, kommende Veranstaltungen, usw. Gerne nehmen wir Vorschläge für Newsletterbeiträge entgegen.

Archiv