Mobiles Wohnzimmer

Aufbau der mobilen Jugendarbeit im Montafon und Schaffung eines mobilen Begegnungsraums für Austausch und gesellschaftliches Lernen.

Projektdauer: 01.04.2017 - 30.09.2019

Projektträger

Offene Jugendarbeit JAM

Grütweg 11

6780 Schruns

Kurzbeschreibung

Der Verein "Offene Jugendarbeit JAM" betreibt erfolgreiche und stetig wachsende standortbezogene Jugendarbeit im Jugendhaus JAM in Schruns. Eine nahezu Verdreifachung der BesucherInnenzahlen in den letzten zwei Jahren und die politische Bereitschaft zur Unterstützung der Jugendarbeit machen eine Neuausrichtung, bzw. Weiterentwicklung der bestehenden Angebote nötig. Durch die dezentrale Lage im Montafon und die fehlenden Beratungs-, Informations- und Anlaufstellen für Jugendliche soll das mobile Wohnzimmer diese Versorgungslücke im Tal schließen. Das mobile Wohnzimmer wird ergänzend zur bestehenden standortbezogenen Jugendarbeit beim Verein "Offene Jugendarbeit JAM" angesiedelt. Das inhaltliche und pädagogische Konzept wird überabeitet und ergänzt, um die verbindenden Inhalte und Synergien der mobilen und der standortbezogenen Jugendarbeit abzubilden, aber auch die Unterschiede und Abgrenzungen klar herauszuarbeiten.

Um eine nachhaltige und gemeindeübergreifend spürbare mobile Jugendarbeit zu gewährleisten, wird eine weitere Stelle Vollzeitstelle im JAM eingerichtet. 50% der Jugendarbeit entfallen hier auf das Projekt „Mobiles Wohnzimmer“. Als Ergänzung zum bestehenden, ausschließlich weiblichen Team, richten wir unsere Suche nach einer männlichen Person aus. Ausbildung und Erfahrung in der Jugendarbeit, bzw. im Sozialbereich sind unerlässlich, ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Selbstorganisation runden das gewünschte Profil der neuen Person ab. Lokalkenntnisse im Montafon sind erwünscht, aber keine Anstellungsvoraussetzung. Gemeinsam mit lokalen Akteuren (Jugendlichen im Ort, Vereinen, Institutionen, Schulen, Kulturschaffenden, Büchereien, Privatpersonen, NetzwerkerInnen, Exekutive, etc.) und der Jugendkoordination des Stand Montafon als Bindeglied zwischen den Gemeinden und offener Jugendarbeit wird ein jährlicher Aktionsplan mit ortsspezifischen Schwerpunkten erarbeitet. Bedürfnisse und Wünsche sollen hier effizient und effektiv verknüpft und in einem Ergebnisbericht inkl. Handlungsempfehlungen festgehalten werden.

Im Rahmen des Projektes wird ein Fahrzeug (Transporter) angeschafft und gemeinsam mit Handwerkern und Jugendlichen der Region zu einem mobilen Wohnzimmer umgebaut. Dieses Fahrzeug dient sowohl der Wegstreckenbewältigung, als auch der möglichst flexiblen Gestaltung von Einzelaktionen in den einzelnen Gemeinden im Rahmen des jährlich erarbeiteten Aktionsplanes. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist das spürbar machen der Idee des mobilen Wohnzimmers, also des jederzeit nutzbaren Begegnungsraumes mit dem Charakter einer vertrauten und privaten Umgebung.

Ausgangslage

Die Jugendarbeit im Montafon hat in den letzten Jahren deutliche Veränderung erfahren. Durch den Jugend-Beteiligungsprozess in den Jahren 2014 und 2015 und den Umzug des Jugendhauses JAM in ein geeigneteres Gebäude wurden viele interessierte Jugendliche angesprochen und für die Angebote und die Qualität der Jugendarbeit im Montafon sensibilisiert. Das Ergebnis sind die annähernde Verdreifachung der Besucherzahlen im Jugendhaus in Schruns, ein deutlich breiteres Angebot an jugendspezifischen Aktivitäten und zudem spezielle Angebote für „junge Jugendliche“ bis 16 Jahren und Angebote ausschließlich für Mädchen.

Im Rahmen des Jugend-Beteiligungsprozesses wurde deutlich, dass gerade die jungen Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren sehr auf den sozialen Nahraum ihrer Gemeinde angewiesen sind und sich aufgrund der schulischen, bzw. beruflichen Strukturen oft nur zwischen Wohnort und Schul,- bzw. Lehrplatz bewegen. Eine Bestätigung dieser Feststellung gaben uns die Ergebnisse des 2015 und 2016 im Montafon breit angelegten Spiel- und Freiraumkonzeptes. Derzeit gibt es in den Montafoner Gemeinden keine nachhaltigen und dauerhaften Angebote für Jugendliche, die Nachfrage hingegen ist vorhanden. Diejenigen Jugendlichen (Einzelpersonen und Gruppen), die die Angebote der standortbezogenen Jugendarbeit nicht in Anspruch nehmen, können derzeit nicht, bzw. nur schwer erreicht werden.

Die offene Jugendarbeit JAM arbeitet unter Anderem sehr eng mit dem Verein Neustart zusammen und begleitet regelmäßig straffällig gewordene Jugendliche aus dem Montafon, die über die Leistung des außergerichtlichen Tatausgleichs eine Gerichtsverhandlung abwenden können. Die zentrale Aufgabe der Jugendarbeit, auch die Zielgruppen der delinquenten, bzw. problembehafteten Jugendlichen ansprechen und aufsuchen zu können, kann bis dato nicht geleistet werden. Aus präventiver Sicht ist dieses Arbeitsfeld der mobilen Jugendarbeit sehr wichtig und wird derzeit von keiner anderen Institution bearbeitet, bzw. abgefangen. Um eine nachhaltige und durchgängige Angebotsstruktur in allen Montafoner Gemeinden zu schaffen, ist die Einführung des mobilen Wohnzimmers anzustreben. Neben den individuellen Angeboten in den einzelnen Gemeinden sollen auch bedarfsorientiere gemeindeübergreifende Aktionen durchgeführt werden.

Ziele/Wirkung

Durch die Implementierung des mobilen Wohnzimmers ist ein Raum für das gesellschaftliche Lernen in den Bereichen Sprache, Kultur, politische Bildung, Eigenverantwortung und Gesundheit geschaffen, der in den einzelnen Gemeinden des Montafon und auch gemeindeübergreifend belebt wird.

Durch die Implementierung des mobilen Wohnzimmers ist eine Erweiterung der standortbezogenen Jugendarbeit und somit eine Nahtstelle zu den Gemeinden und anderen Institutionen und Einrichtungen gelungen.

Durch die Implementierung des mobilen Wohnzimmers sind die räumlichen Hürden für die jungen Jugendlichen beseitigt. Jugendliche aller Altersgruppen finden altersspezifische Angebote und Beratung in ihrer Gemeinde und in ihrer nahen Umgebung vor. Es ist ein örtlich wechselnder Begegnungsraum geschaffen, um miteinander in Dialog zu treten.

Durch die Implementierung des mobilen Wohnzimmers ist neben der „sichtbaren“ Gruppe von Jugendlichen auch die Gruppe der nicht sichtbaren Jugendlichen angesprochen. Das mobile Wohnzimmer leistet nachgehende und aufsuchende Sozialarbeit, kommt mit Einzelpersonen und/oder Gruppen in Kontakt, baut Beziehungen auf, bildet Netzwerke um diese Personen/Gruppen und kann bedarfsorientiert Hilfe und Unterstützung in schwierigen Situationen anbieten.

Inhalte

Jugendliche Gestaltung des Sozialraums in der Heimatgemeinde
Jugendliche der Montafoner Gemeinden werden durch das mobile Wohnzimmer konkret auf ihre Lebenswelten und Bedürfnisse angesprochen. Durch die nachgehende und aufsuchende Sozialarbeit  werden Jugendliche an ihren selbstgewählten Plätzen angetroffen, die Beziehungsarbeit mit Einzelpersonen und Personengruppen steht dabei im Vordergrund. Die Methode der nachgehenden, bzw. aufsuchenden Sozialarbeit hat dabei einen stark präventiven Charakter (Aufsuchende, bzw. nachgehende Maßnahmen beruhen auf der Grundidee, nicht darauf zu warten bis gefährdete Personen mit einer Institution, bzw. unterstützenden Maßnahme Kontakt aufnehmen, sondern auf sie zuzugehen, um sie so früh wie möglich zu erreichen). Gemeinsam mit den Jugendlichen und sozialen Netzwerken (Vereine, Schulen, Institutionen, ortsansässigen Firmen, Gastronomie, VertreterInnen der Gemeindepolitik, Kulturschaffende, Privatpersonen, NetzwerkerInnen und Exekutive, etc.) der einzelnen Gemeinden wird eine Montafon weite Sozialraumanalyse durchgeführt, funktionierende und bewährte Systeme benannt, Potentiale definiert und Ideen gesammelt. Mit einem systemisch-ganzheitlichen Ansatz werden die Themen der Jugendlichen in ihrer Heimatgemeinde verlässlich und nachhaltig bearbeitet.

Gemeindeübergreifende und gemeindeinterne Sichtbarmachung des mobilen Wohnzimmers
Das mobile Wohnzimmer wird in den Gemeinden Präsenz zeigen, mindestens monatlich in den Gemeinden (z.B. Gemeindeämter, Schulen, Institutionen, Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Vereine) vor Ort sein und Gespräche, bzw. Austausch anbieten. Zum Einen wird sich der Jugendarbeiter ein Bild, bzw. einen Überblick über die Jugendangebote in der jeweiligen Gemeinde verschaffen, zum Anderen ist im Rahmen der Sichtbarmachung der mobilen Jugendarbeit in den Gemeinden die spürbare Präsenz vor Ort eines der wichtigsten Arbeitsmittel. Auch bei Veranstaltungen in den Gemeinden, bzw. in der Region wird das mobile Wohnzimmer regelmäßig vertreten sein. Diese Anwesenheiten werden sowohl im Aktionsplan, als auch in den Bekanntmachungen der Gemeinden ersichtlich sein.

In den Gemeinden soll spürbar werden, dass sich ein mobiles Jugendangebot entwickelt hat, gemeindespezifische Themen Relevanz bekommen und örtliche, sowie überörtliche mobile Begegnungsräume gegeben sind. Im Rahmen der Projektlaufzeit werden zwei lokale Jugendteams und eine talweite Steuerungsgruppe (diese besteht aus erwachsenen Personen und den SprecherInnen der Jugendteams) gebildet, die aktiv an der Implementierung, der Umsetzung und am nachhaltigen Fortbestand des mobilen Wohnzimmers mitwirken.

Resultate

  • Kontaktaufnahme, Austausch, Sammlung und Bearbeitung der relevanten jugendspezifischen Arbeitsthemen in den Gemeinden mit den handelnden Akteuren im Rahmen von zwei Workshops im Montafon.
  • Ergebnisbericht zur montafonweiten Sozialraumanalyse mit Handlungsempfehlungen für den jährlichen Aktionsplan zur mobilen Jugendarbeit.
  • Erstellung, Druck und Verteilung eines Folders der mobilen Jugendarbeit/des mobilen Wohnzimmers im Montafon.
  • Aufbau und Unterstützung von zwei Jugendteams (Innerfratte und Außerfratte) im Montafon. Im Rahmen von vier Arbeitstreffen werden die Rahmenbedingungen und Aufgabenfelder dieser Jugendteams definiert.
  • Aufbau der Steuerungsgruppe „Jugend im Montafon“ zur Bearbeitung aktueller Themen und Mitgestaltung des jährlichen Aktionsplanes im Rahmen von zwei Workshops.
  • Umsetzung des mobilen Wohnzimmers in Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Lehrbetrieben aus dem Montafon.
  • Erstellung und Umsetzung von zwei Aktionsplänen für die Jahre 2018 und 2019

Innerhalb, bzw. spätestens zum Ende der Projektlaufzeit wird klar, welche Aktivitäten, Methoden und Inhalte der mobilen Jugendarbeit in den einzelnen Gemeinden, aber auch im gesamten Montafon zielführend, bzw. erfolgreich waren. Daraus resultierend wird ein Methodenmix für die Jahrespläne der mobilen Jugendarbeit nach 2019 in das bestehende Konzept der Jugendarbeit im Montafon eingearbeitet und in eine dauerhafte Logik übernommen. Der Methodenmix ist fachlich und budgetär an die Stelle der mobilen Jugendarbeit angepasst. Abgebildet sollen folgenden Bereiche sein:

  • Gemeinwesenarbeit
  • Sozialraumarbeit
  • Nachgehende und aufsuchende Sozialarbeit
  • Beziehungsarbeit und Präsenz
  • Cliquen- und Gruppenbezogene Arbeit
  • Freizeit- und Erlebnispädagogik
  • Sofort- und Einzelfallhilfe, Begleitung, Beratung, Prävention

Bezug zum Programm

3GW06 – Gesellschaftliches Lernen fördern

Weitere Informationen