Lingenau erzählt

Mit Storytelling regionales Wissen beteiligend erfassen, Erzählkultur aufleben lassen und für Begegnung nutzen.

Projektdauer: 27.12.2017 - 30.06.2019

Projektträger

Gemeinde Lingenau

Hof 258

6951 Lingenau

Kurzbeschreibung

Der kleinste, durch physische Präsenz klar erkennbare „Begegnungsraum“ (im Sinne eines Ortes, an dem Menschen miteinander in Austausch kommen können) ist eine Sitzgelegenheit – das „Bänkle“.

Das idyllische, alte Bild von zwei Nachbarn, die gegen Abend auf der Bank vor dem Haus sitzen, sich über den Hergang der Heuernte unterhalten und dabei regionales Wissen teilen, ist Ausgangpunkt des Projekts „Lingenau erzählt“. Das Projekt hat zum Ziel, eine neue Form einer regionalen Wissensplattform zu schaffen, die unter Beteiligung aufgebaut, interessant gestaltet und nachhaltig im Ort verankert wird. Das Geschichtenerzählen als Anlass zur Begegnung, als Quelle regionalen Wissens und als Kulturform des ländlichen Raums soll gezielt revitalisiert werden und gesellschaftliches Lernen ermöglichen. Um die Geschichten zeitungebunden verfügbar zu machen, sollen Geschichtenbänkle und –routen entwickelt werden, die Inhalt und Ort in Verbindung bringen. Grundlage zur Gewinnung der Geschichten und dem Wiederaufbau der Erzählkultur sollen sechs Erzählabende in den sechs Lingenauer Gasthäusern sein.  Die Geschichten werden, wenn es die Erzähler wollen, aufgenommen, auf der zu schaffende Plattform „Lingenau erzählt“ platziert und an den Standorten der Geschichtenbänkle erreichbar sein.  Mindestens zweimal im Jahr soll ein Bänklefest in Lingenau stattfinden, wo neue Geschichten erzählt werden und bei den Bänkle nachgehört werden können. Durch die Zusammenarbeit bestehender Strukturen (Wirte, Ehrenamt, Schulen, Bibliotheken, kulturelle Initiativen, Tourismus) im Ort, soll sich bis zum Ende des Projektes eine Gruppe engagierter Personen definieren, die gemeinsam  die Plattform „Lingenau erzählt“ erhält und mit neuen Geschichten füllt. Die Bänkle sollen Begegnungsraum sein für Groß und Klein, für Einheimische und Zweiheimische, für Gastgeber und Gäste, für Lernende und Wissende, für Musikanten und Kalkulanten und für alle, die Lust auf Begegnung haben.

Ausgangslage

Entwicklung in der Gemeinde entsteht durch gelebtes Miteinander. Begegnung schafft Entwicklung in der Gemeinde.

Lingenau ist eine Gemeinde, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert ist, wie viele andere. Es gibt eine gute dörfliche Infrastruktur, Spielgruppe, Kindergarten, Volksschule, Mittelschule, viele (über 30) Vereine, 6 Gasthäuser, aber der hektische Alltag unserer Zeit, ein hoher Beschäftigungsgrad  mit einer steigenden Anzahl an Pendlern (Beruf, Ausbildung) machen es schwer, sich aktiv am Dorfleben zu beteiligen. Insbesondere für neue Mitbürger ist es nicht einfach, in eine Dorfgemeinschaft hineinzufinden. Aufgrund fehlender urbaner Begegnungsräume wie Plätze mit Cafés, Spielplatz, Museum, Flanierzone, Skater Platz, Stadtteil-Büro, ... hat das Leben auf dem Land für sie eine vereinzelnde Tendenz.

„Lingenau erzählt“ schafft interessanten, niederschwelligen Begegnungsraum, jederzeit zugänglich und konsumfrei und basiert auf folgenden Überlegungen:

  • Eine Grundbedingung für Begegnung ist Kommunikation. Das Projekt fördert  die Erzählkompetenz im Ort, das Interesse Wissen über Geschichten zu teilen und als Dorfgemeinschaft voneinander zu lernen.
  • Die Landschaft und ihr Potenzial an Lebensqualität spielt eine wichtige Rolle – sie ist ein Pluspunkt des ländlichen Raums und soll mit dem Projekt betont werden.
  • Bestehende Strukturen – Vereine, Schulen, Gasthäuser werden von Beginn an ins Projekt integriert und daran beteiligt. Ebenso aber interessierte Einzelpersonen.

Das Projekt ist zu sehen als ein wichtiger Baustein einer langfristigen Dorfentwicklung, der sich verzahnt mit weiteren dörflichen Projekten (Lindohus, Gesundes Lingenau, Spielraumkonzept, Bürgerbeteiligung zu Verkehrsthemen, Lingenau 60+, Engagiert sein ...), die alle dem Grundsatz folgen, einen lebendigen, funktionierenden Lebensraum für alle zu bieten, die Gemeinschaft zu stärken und zu aktivieren ohne dabei jemanden auszuschließen.

Ziele/Wirkung

Es war eine Qualität des ländlichen Raums, Wissen über Geschichten zu teilen und als Dorfgemeinschaft voneinander zu lernen. Diese Qualität will wieder erreicht werden.

Heute ist diese Erzählkultur nicht mehr Teil des Dorfalltags, es finden weniger Begegnungen statt, das Erzählen wird nicht mehr gepflegt und es fehlen interessante Formate und Orte, die allen zur Verfügung stehen und die in die heutige Zeit passen. Mit den Lingenauer Erzählabenden soll ein wiederkehrendes Format geschaffen werden, welches die Erzählkultur unterstützt und gesellschaftliches Lernen ermöglicht.

„Lingenau erzählt“ hat zum Ziel, eine neue Form einer regionalen Wissensplattform zu schaffen, die unter Beteiligung aufgebaut, interessant gestaltet und nachhaltig im Ort verankert wird.
Um die Geschichten zeitungebunden verfügbar zu machen, sollen Geschichtenbänkle entwickelt werden, die Inhalt und Ort in Verbindung bringen.

Neben den jederzeit verfügbaren Geschichtenrouten, erreichbar über die Wissensplattform und die Vorarlberg APP, die das Verfestigen und Lernen von Heimat fördern, sollen regelmäßig Anlässe (Erzählabende) geboten werden, sich aktiv in das Projekt „einzuklinken“. Unter anderem, um die Gemeinschaft, die rund um die Geschichten und deren Orte entsteht, zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Mittelfristig nach dem Projekt – je nach Fokus und Interesse der Menschen, die sich beteiligen – soll die Plattform „Lingenau erzählt“ ( www.lingenau-erzählt.at ) weitere Dimensionen dazubekommen: ein Austauschforum in dem Hilfeanfragen gestellt werden, Gerätschaften gemeinsam verwaltet, Themen zur Diskussion eingebracht werden, interessante Literatur zu gemeinschaftlichen Interessensthemen zu finden sind, ... Hier geht es darum ergebnisoffen zu bleiben um dann aus der Bevölkerung heraus, das anbieten zu können, was erwünscht, relevant ist und damit auch genutzt werden wird.

Lingenau wird für Vorarlberger, die gerne wandern und in Lingenau ein Zusatz-Argument vorfinden (Kinder bekommen Bewegungsmotivation durch die Geschichten, Singles werden unterhalten, ...) interessant und  Gäste können im „Geschichten-Dorf“ etwas Besonderes erleben.

Inhalte

Kernelemente von „Lingenau erzählt“

  • Geschichten, im Sinne von Alltagsgeschichten und „Schwänken“ sind eine niederschwellige Form um das Wissen, die Erinnerungen und Gedanken der Bevölkerung zu erfassen. Niederschwellig, insofern, dass Geschichten vom Leben erzählen, Geschichten haben also alle zu erzählen: Einheimische, Zweiheimische, Frauen und Männer, Kinder und Erwachsene. Gäste und Gastgeber. Damit die Leute auch den Mut finden, ihre Geschichten zu teilen, werden Formate entwickelt:  Geschichten-Werkstätten, in denen in einem geschützten Rahmen, das Erzählen mit Storytelling-Experten geübt wird und Lingenauer Erzählabende in den Gasthäusern, die zum Ziel haben, den Wert von Geschichten wiederzuentdecken, regionales Wissen in Umlauf zu bringen, aber auch regionale Identität zu pflegen und Resonanz zwischen dem Einzelnen und den Geschichten herzustellen.
  • Geschichtenbänkle – bieten einen Begegnungsraum (ohne Konsumzwang), um die Geschichten, - als Einzelperson oder als Gruppe – zu hören. Denn die Geschichtenbänkle sind mit Sounddateien verbunden, die man über ein Smartphone abrufen kann und damit die Erzählungen in Zusammenhang mit der Landschaft gebracht wird. Jede Sounddatei besteht aus Geschichte und thematisch passender Sachinformation – sowie der Einladung selbst zu erzählen. Die Erzählbänke können einzeln oder gebündelt zu Routen besucht werden.
  • Bänkletage sind Volksfeste der anderen Art: ohne Konsumzwang, ohne Show Acts und Fans, sondern mit allen als TeilgeberInnen und Begegnenden, sind sie Feste der Begegnung, u.a. bei den Geschichtenbänkle, die bei diesen Anlässen von den örtlichen Vereinen, Schulen und Einrichtungen bespielt werden.

Resultate

  • Mindestens 6 Lingenauer Erzählabende in den 6 örtlichen Gasthäusern mit jeweils zwei unterschiedlichen Erzählern
  • 2 Geschichtenwerkstätten zum Erlernen des Storytelling
  • 5 Bänkletage in Zusammenarbeit mit Wirten, Ehrenamtlichen, Vereinen, Schulen, Bibliotheken, kulturelle Initiativen und Tourismus
  • 20 Geschichtenbänkle aufgestellt in Lingenau als Begegnungsorte samt Leitsystem
  • 1 Wissensplattform „Lingenau erzählt“ mit 50 Geschichten und Aufnahmen zu regionalem/örtlichen Wissen. (Die Inhalte und Wanderrouten werden auch auf der Vorarlberg APP erfasst.): www.lingenau-erzaehlt.at
  • 25 von den 50 Geschichten und Aufnahmen entstehen gemeinsam mit den pädagogischen Einrichtungen in den Schuljahren 2017/18 bis 2018/2019
  • 60 Akteure und 15 Organisationen sind aktiv im Projekt involviert
  • Am Ende der Projektlaufzeit gibt es eine Gruppe von ehrenamtlich engagierten Personen, die gemeinsam mit den Projektpartnern (Schulen, Bücherei, Tourismusverein) „Lingenau erzählt“  weiterentwickeln

Bezug zum Programm

3GW.06 Gesellschaftliches Lernen fördern

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