Earth Market Sibratsgfäll

Intensivierung regionaler Kooperationen und direkte Vermarktung regionaler Produkte über den internationalen Slow Food Status eines "Earth Markets"

Projektdauer: 26.11.2020 - 31.10.2022

Projektträger

Dorner Natur OG

Dorf 33

6952 Sibratsgfäll

Kurzbeschreibung

Markus und August Dorner aus Sibratsgfäll sehen die biologische Bewirtschaftung ihrer Böden nicht nur als selbstverständlich, sondern in ihren Betrieben auch klar ersichtlich. So stellten sie sich in weiterer Konsequenz die Frage, wie es in einem kleinen Bergdorf gelingen kann die Eigenversorgung zu steigern und durch das Setzen von Aktivitäten zur Slow Food Gemeinde zu werden.

In einer Kooperation mit regionalen biologischen Produzent*innen soll nun eine Slow Food Community entstehen, welche über einen regelmäßigen Erlebnismarkt die Konsument*innen in die Region holt, ihnen die Philosophie hinter den Produkten vermittelt und sie dadurch für die Produkte mit höchsten Qualitätsansprüchen begeistern kann.

In einem weiteren Schritt sollen die Produkte auch über gemeinsame 24/7 Hofläden und einem Zustellservice vermarktet werden. Die dazu gegründete Vermarktungsgesellschaft Dorner Natur OG wird hier das Marketing, Verkauf  und die Abrechnung übernehmen.

Parallel zum Angebot an regionalen biologischen Produkten werden Impulse (Vorträgen, Workshops, Seminare, Filmvorführungen, Schülerbeteiligung, …) für ein regionaleres Bewusstsein angeboten die zum Mitmachen und Mitdenken anregen sollen. Ziel ist hier Wissen und Können als Schlüssel zu einem Leben im Einklang mit der Natur und sich selbst zu vermitteln.

Ausgangslage

Die biologische Bewirtschaftung unserer Böden und die Nutzung der Synergien aus unserer Natur ist für die Brüder Markus und August Dorner aus Sibratsgfäll nicht nur selbstverständlich, sondern in ihren Betrieben auch klar ersichtlich. Sie schaffen um ihren elterlichen Hof einen Rahmen und ein Klima, in dem sich Menschen im Zusammenspiel mit der Natur entfalten und kontinuierlich entwickeln können.

Sie stellten sich die Frage, wie es in einem kleinen Bergdorf gelingen kann die Eigenversorgung zu steigern und auch die Zweitwohnsitze mit biologischen Lebensmitteln zu versorgen und den Servicegrad für die vielen Pendler zu erhöhen.

Schritt für Schritt wurde das Sortiment an biologischen Lebensmitteln mit höchsten Qualitätsansprüchen erweitert. Auf den 20 ha bewirtschafteten Bio Grünland produziert der Dorner Hof Bio-Weiderindfleisch, Salami und Wurstwaren aus 25 Weiderindern. Ein mobiler Hühnerstall mit 220 Legehennen liefert Eier zur Direktvermarktung aber auch für fünf Sorten Bio-Nudeln.

Mit dem errichteten Biomasseheizwerk werden in Sibratsgfäll elf Objekte im Ortskern mit erneuerbarer Energie versorgt. Aktuell befindet sich ein Gewächshaus in Umsetzung, das an das eigene Heizwerk angeschlossen wird und ab 2021 ganzjährig die Erzeugung von Salat, Gemüse, Kräuter, ... ermöglicht.

Die Bäckerei mit Nahversorgungsladen und Seminarmöglichkeit von August Dorner versorgt das Dorf täglich mit frischem Brot und allem Nötigem.

Für die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte wurde 2019 eine offene Vermarktungsgesellschaft Dorner Natur OG (Natur.Werk OG) gegründet, welche das Marketing, Verkauf  und die Abrechnung von Dienstleistungen mit Naturprodukten und naturnahen Erzeugnisse zum Unternehmensgegenstand haben. Die Vermarktung der Produkte erfolgt ausschließlich direkt und über einen 24h Hofladen.  Das Team des Natur.Werk schafft mit seinem Wissen und Können die Kompetenz, welche der Schlüssel zu einem Leben im Einklang mit der Natur und sich selbst ist. Besuchergruppen werden Führungen, Veranstaltungen, Seminare und viele Möglichkeiten zum Mitmachen bzw. Mitdenken geboten.

Ziele/Wirkung

  • Ziel ist, das im ersten Schritt die Konsumenten zu den Produkten kommen und nicht umgekehrt. Ein regelmäßig stattfindender nach den Vorgaben eines „Marktes der Erde“ soll diesen Anreiz schaffen.  Der Markt mit Erlebnischarakter soll zu einem Begegnungsort für Produzent und Konsument werden, um Erzeugnisse anzubieten und Hintergründe zu hochwertig erzeugten Lebensmittel zu erfahren. Über die Erlebnischarakters des Marktes sollen neue nachhaltige Kund*innen gewonnen werden. Das Format soll neben dem Einkaufen zum Verweilen und zum Genießen anregen.
  • In einem weiteren Schritt soll ein wirtschaftlich tragfähiges Zustellungskonzept mit den involvierten Produzent*innen erarbeitet und umgesetzt werden.
  • Durch die gesetzten Aktivitäten im Projekt soll für Sibratsgfäll die Auszeichnung einer Slow-Food Gemeinde nach Slow-Food Richtlinie möglich werden.
  • Neben der Vermarktung der Produkte ist Wissensvermittlung besonders wichtig. Über ein Impulsprogramm mit offener Diskussion soll bei den Teilnehmer*innen mehr regionales Bewusstsein geschaffen werden.

Inhalte

Im ersten Schritt wird über das NATUR.WERK ein Arbeitsteam aus zehn Personen (Slow Food Community) gegründet, welches zum Ziel hat regionale Bio orientierte Produkte über den ersten „Earth Market“ in Vorarlberg zu vermarkten und zu verkaufen.

Die Vorgaben hierfür sind, das Aussteller*innen und Produzent*innen keine Großbetriebe sind, im Umkreis von etwa 40 km zum Marktstandort ihren Sitz haben (im Sinne von kurzen Transportwegen und der Regionalität) und persönlich auf dem Markt vertreten sind.

Die Produkte müssen handwerklich und nach traditionellen Methoden in der Region hergestellt worden sein und in allen Belangen den Vorgaben "gut, sauber und fair" entsprechen, d.h. von hoher qualitativer und geschmacklicher Güte, ökologisch verträglich und nach "fairen Bedingungen und Preisen" gegenüber Produzent*in und Endverbraucher*in sein.

Neben der Organisation des Marktes samt Erlebnisprogramm ist eine professionelle Vernetzungsarbeit notwendig. Es gilt eine attraktive Anzahl an Produzent*innen zu finden, deren Know-How zu vertiefen und auf breiter Basis in Entfaltung zu bringen. Hierzu müssen Initiativen zur Vernetzung umgesetzt werden. Die Vermarktung des Marktes erfolgt über Social Media, regionale Medien und die Slow Food Plattform.

In einem weiteren Schritt entwickelt die Arbeitsgruppen ein Konzept für einen Zustellservice aller interessierten Produzent*innen. Die Kernfrage hier ist, wann muss eine „Earth Market“-Produkt wo sein, um eine zentrale und effiziente Auslieferung sicherstellen zu können. Hier ist die Zusammenarbeit des Netzwerks der Produzenten zu definieren.

Neben der Vernetzung der Produzent*innen und Vermarktung der Produkte ist es besonders wichtig einen offenen Diskurs für mehr regionales Bewusstsein zu führen. Im Projekt wird ein Impulsprogramm mit Vorträgen, Workshops, Seminare, Filmvorführungen, Schülerbeteiligung und Diskussion umgesetzt. Im Projektzeitraum werden zwölf Impulse gesetzt die Wahrheiten und Geschichten hinter Produkten und Vermarktungsstrategien präsentieren und aktiv hinterfragt werden dürfen.

Resultate

  • Arbeitsteam aus zehn Personen und 20 vernetzte regionale Bio-Anbieter
  • Regelmäßig stattfindender „Earth Market“ auf dem Gelände des Dorner-Hofs in Sibratsgfäll
  • Konzept für Zustellservice aller interessierten Produzent*innen
  • Impulsprogramm mit Vorträgen, Workshops, Seminare, Filmvorführungen, Schülerbeteiligung

Bezug zum Programm

1WS02 Intensivieren regionaler Wirtschaftskreisläufe, neue Kooperationen, bestehende Labels nutzen