SKI LABOR LECH

Winterliche Theaterwanderungen auf den Entwicklungsspuren des Wintersports am Arlberg

Projektdauer: 01.07.2019 - 31.12.2020

Projektträger

Lechmuseum

Dorf 26

6764 Lech am Arlberg

Kurzbeschreibung

Die Erforschung und Vermittlung der Skikultur am Arlberg ist dem Ort Lech mit seinen Einrichtungen ein großes Anliegen. Durch das Engagement des Vereins ski.kultur.arlberg, von Gemeindearchiv und -museum, sowie einiger Unternehmen wurden in den letzten zehn Jahren ein Forschungsprojekt mit Buch und eine Ausstellung zur Skikultur umgesetzt. Durch diese Initiativen wurde deutlich, dass zu einem großen Teil in Lech das Bewusstsein um die lokale Geschichte - auch deren „weiße Flecken“ in den politisch schwierigen Zeiten – sowie die Auseinandersetzung mit großen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und naturräumlichen Entwicklungsbögen fehlt. Es muss ein lokales Bewusstsein geschaffen werden um Authentizität zu erreichen. Die gemeinsamen Überlegungen um ein passendes Format zur Bewusstseinsbildung mündeten in der Zusammenarbeit mit dem Theaterensemble „teatro caprile“ und der Idee eines Winter-Wander-Theaters zur Skikultur. Mit dem Theaterensemble „teatro caprile“, das sich auf die Produktion und Aufführung von Theaterstücken mit komplexen zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Inhalten spezialisiert hat und erfolgreiche Produktionen im Montafon, Bregenz und Krimml durchführt, soll ein Format der konstruktiven Diskussion und Auseinandersetzung lokaler Spannungsfelder in der Geschichte, verknüpft mit der Gegenwart geschaffen werden; das SKI LABOR LECH. Dabei geht es in Lech neben der genauen lokalen Recherche der Themen, Personen und Aufführungsorte auch um die Teilhabe von Lokaler Bevölkerung und Unternehmer (Gemeinde, Tourismus- und Wirtschaftstreibende) sowie Touristen für ein gemeinsames Tun.

Ausgangslage

Forschung: Der Verein ski.kultur.arlberg wurde im Jahr 2008 auf Initiative einer privaten Gruppe von Lechern gegründet, mit dem Ziel, sich der Erforschung, Dokumentation und Vermittlung der Skikultur am Arlberg zu widmen. Die Zusammenarbeit mit Universitäten unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Bernhard Tschofen führte zur intensiven Sammlung von Dokumenten und wissenschaftlichen Bearbeitungen. Als gefördertes Leader-Projekt konnte die Unternehmung Fahrt aufnehmen und erfolgreich für die Forschungsphase 1 d.h. für die Zeitspanne vom Beginn des Skilaufs bis in die 1960er Jahre abgeschlossen werden.

Buch: Im Auftrag von ski.kultur.arlberg brachten die Herausgeber Prof. Gustav Schoder und Prof. Bernhard Tschofen 2014 in Zusammenarbeit mit dem Verlag von Rita Bertolini das reich bebilderte Buch „SPUREN Skikultur am Arlberg“ in einer Deutschen und Englischen Ausgabe heraus, das sich inzwischen als “Standartwerk” für eine modere Auseinandersetzung mit der Skikultur etablierte.

Ausstellung: Das Lechmuseum organisierte 2018/19 gemeinsam mit ski.kultur.arlberg „SPUREN Die Ausstellung zur Skikultur“ im Huber-Hus. Dabei ging es darum, die „sichtbaren und unsichtbaren Spuren“ der Skikultur mit Hilfe von Objekten und Installationen darzustellen. Ohne in die gängigen Muster zu verfallen, wurde bewusst auf das Ausstellen von Skiern verzichtet. SPUREN erzählte von der Entdeckung des Schnees und der Lust an der Sonne, von großen Emotionen und neuen Körperbildern.

Vermittlung: ski.kultur.arlberg ist - spätestens seit dem Buch „SPUREN Skikultur am Arlberg“ und der gleichnamigen Ausstellung SPUREN / TRACKS - als Synonym für die rasante Entwicklung einer bergbäuerlich orientierten dörflichen Umgebung, hin zu einem von Sport und Freizeitgestaltung geprägten und mit technischen Innovationen ausgestatteten semiurbanen Hotspot zu sehen. Daran orientiert sich naturgemäß auch die Recherche zur Theaterwanderung.
Weitere textliche Schätze werden von Andreas Kosek gehoben und in szenische Form gegossen, wie es sich bereits bei den Theaterwanderungen und den Produktionen im vorarlberg museum erfolgreich bewährt hat.

Ziele/Wirkung

SKI LABOR LECH lädt zum Dabeisein und Anteilnehmen ein. Die Vorbereitung und Arbeit am Theaterprojekt sowie die Aufführungen sollen sensibilisieren: Für zeitgeschichtliche Phänomene und authentisches Handeln auf einer ganz konkreten lokaler Ebene, in diesem Fall dem Lebensraum und Tourismusort Lech und für eine Skikultur, die seit 120 Jahren alle Bereiche des Lebens am Arlberg beeinflusst und bis heute durchdringt.

SKI LABOR LECH soll den Einblick zulassen, dass Skifahren und Wintertourismus niemals „unpolitisch“ waren und heute sind.

SKI LABOR LECH will als Projekt der Kulturvermittlung ein gegenseitiges Verständnis schaffen und die Kommunikation untereinander stärken. Das Verständnis zwischen Dorfbevölkerung, Gastgeber*innen und Gästen, das Verstehen zwischen junger und älterer Generationen und die Wertschätzung zwischen Touristiker*innen, Unternehmer*innen und Kulturtreibenden in Lech.

SKI LABOR LECH möchte aber auch Kindern und Jugendlichen, die in Lech leben, sowie junge Menschen, die in Lech arbeiten bzw. als Gäste nach Lech kommen die Möglichkeit eröffnen, gesellschaftliche und historische Zusammenhänge kennenzulernen und für mehr Authentizität einzustehen.

SKI LABOR LECH heißt auch, die Zusammenarbeit forcieren. Im schnelllebigen Tourismus sind Räume des Innehaltens und Reflektierens in Lech selten.

Inhalte

SKI LABOR LECH wird ein Theaterstück über die Kultur in der Natur, über Aneignung, Authentizität, Deutung und Umdeutung, um politische und kulturelle Brüche in einer der prominentesten Skiregion der Welt. Gerade die alpinen Landschaften sind von alters her nicht einfach Natur, sondern vielfältig gestaltete und genutzte Kultur auf der Grundlage des vorgefundenen „natürlichen Materials“.

In diesem SKI LABOR LECH ginge es nicht bloß um das Skifahren selbst, sondern vielmehr um das Experimentelle, die historische Entwicklung der Skitechnik, die handwerkliche Anfertigung von Skiern, Bindungen, Schuhen und generell Skikleidung, als funktionelle modische Gewandung, womit wir auch einen starken Bezug zur der im Lechmuseum angesiedelten Werkstätte, aus und in der sich die Basis für die heutige Technologie ihren Ausgang nahm, herstellen. Dort fanden und trafen sich Einheimische und Fremde, Gäste und Handwerker, sportbegeistere Tüftler und Glücksritter der neuen Entwicklung namens „Skilauf am Arlberg“.

Die damit verbundenen sozialen Veränderungen gelten bis heute als Erfolgsgeschichte, wiewohl die ökologischen und klimatischen Fragenstellungen heute neu und drängender gestellt werden. Wo es heute um Beschneiungsanlagen und kundenbindende Events geht, standen in früheren Zeiten viele Bewohner vor der Entscheidung, ob die Landwirtschaft aufgegeben und stattdessen Zimmer vermietet werden. Berührend die Erzählung eines Buben, dessen Vater verlangte, dass er sein geliebtes Pferd verkauft und einen Beruf mit Zukunft ergreift, nämlich Skilehrer wird.

Durch den Kampf um die Deutungshoheit, den damals zeitgeistig vorherrschenden Glauben an das Heroische und dessen Ausdruck in Sport und Naturbezwingung, gerieten Alpinismus und Wintersport sehr früh in den Brennpunkt ideologischer und politischer Auseinandersetzungen. Eine Auseinandersetzung die – wenn auch unter anderen Vorzeichen und Bedingtheiten – auch heute geführt wird, wenn man den Umgang mit veränderten Klimabedingungen, mit ökologischen Auswirkungen des Wintersports und den Grenzen des Wachstums bedenkt. Auch das Spannungsfeld zwischen Massentourismus und exklusivem Branding ist in dieser Grundsatzdiskussion um Kultur und Natur angesiedelt.

Resultate

SKI LABOR LECH soll als Wander-Theaterstück auf künstlerische und partizipative Weise

  • lokales Bewusstsein schaffen: Für den Tourismusort Lech und seine gesellschaftliche und naturräumliche Umgebung, für seine gegenwärtigen Fragestellungen und für eine ehrliche gemeinsame Auseinandersetzung – auch mit der eigenen Geschichte.
  • die Zusammenarbeit zwischen Tourismus, örtlichen Einrichtungen, Vereinen und Bevölkerung stärken.
  • Diskussion und Betroffenheit ermöglichen. Gerade in der Kleinräumigkeit des Arlberggebietes können historische und politische Entwicklungen wie durch ein Brennglas geschärft beobachtet, diskutiert und dargestellt werden. Um das Zusammentreffen unterschiedlichster Faktoren, wie neuer Technik (Skilauf) in Verbindung mit lokalem Handwerk, überregionaler Beachtung, historischen Veränderungen getragen von eigenwilligen und innovativen Persönlichkeiten, sowie politischen Interventionen und medialer Besetzung als multifaktorielle Ursache für das was wir heute mit dem Arlberg verbinden, wird es in diesem Theaterstück gehen.
  • die wissenschaftlichen Ergebnisse der Skikultur-Forschung veranschaulichen und im nächsten Schritt die wissenschaftliche Beschäftigung mit der noch sehr unerforschten Phase von den 1960er Jahren bis heute vorbereiten.
  • zum jährlichen Fixpunkt der zukünftigen Wintersaisonen werden: Für Einheimische, Touristen und Mitarbeiter*innen.
  • das Selbstbewusstsein des Ortes Lech stärken: Insbesondere des Ortsteiles Zug mit seiner baulich und gesellschaftlich kleinräumigen Struktur.

 

Bezug zum Programm

1WS04 Bewusstsein für ein regional authentisches Handeln steigern

Weitere Informationen

Literaturhinweise (Auswahl)

  • SPUREN Skikultur am Arlberg, Bernhard Tschofen, Sabine Dettling, Bregenz Bertolini Verlag 2014, Deutsche und Englische Ausgabe
  • SPUREN Die Ausstellung zur Skikultur vom Lechmuseum gemeinsam mit dem Verein ski.kultur.arlberg,  Juni 2018 – April 2019, Ausstellungstexte (unveröffentlichtes Manuskript)
  • Gemeindebuch Lech, Hg. Birgit Ortner, Lech am Arlberg 2014, Staatspreis "Die schönsten Bücher Österreichs 2014" / Auszeichnung "eines der schönsten Deutschen Bücher 2015"
  • Der Rechtsstreit rund um die NS-Enteignung der Skilifte Zürs und Lech, LECHSCHRIFTEN, Heft 01. Eine Reihe des Lechmuseums und Gemeindearchivs Lech Anna Maria Eggler, Meinrad Pichler, Hg. Birgit Heinrich, Lech am Arlberg 2018
  • Lech & Zürs am Arlberg 1920 - 1940, Marcel Just, Birgit Ortner, Architektur - Technik - Kunst - Grafik - Fotografie – Film, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Huber-Hus, Hg. Lechmuseum, Lech am Arlberg 2010
  • Hast Du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte, Hg. Hanno Loewy, Gerhard Milchram, Bucher, Hohenems 2009
  • Fremdenverkehrspionier am Arlberg. Das Schicksal des Rudolf Gomperz, Hans Thöni, In: „Wir lebten wie sie …“. Jüdische Lebensgeschichten aus Tirol und Vorarlberg, hg. v. Thomas Albrich. Innsbruck 1999, S. 123–146.

 

Kontakte (Auswahl)

www.lechmuseum.at

www.skikulturarlberg.at

www.teatro-caprile.at

www.gemeinde.lech.eu

www.lech-zuers.at

www.lebensraumlech.at