Pfarrhof-Thal

Sensible Sanierung des Pfarrhofes im Zentrum von Thal in einen Treffpunkt gesellschaftlicher Aktivitäten

Projektdauer: 16.08.2016 - 30.06.2019

Projektträger

Pfarramt Thal

Hagen 26

6934 Sulzberg-Thal

Kurzbeschreibung

Pfarrer Martin Sinz (1830-1911) gilt als Dorfvater von Thal. Ihm gelang es, ein ganzes Dorfzentrum (Kirche, Pfarrhaus, Mesner Haus – und anlehnend an die Architektur entstanden weitere Häuser) zu errichten und ein reges Vereinsleben zu organisieren. Mit der Pfarre entstand ein lebendiges Dorf. Die Gründung der Pfarre war ein entscheidender Entwicklungsschritt, zumal die Siedlung 10 km vom Gemeindezentrum Sulzberg entfernt liegt. Ein Selbsthilfeverein organisiert und gestaltet zusammen mit weiteren Vereinen heute das Dorfgeschehen. Der Pfarrhof, das Herzstück der Gebäude, ist in die Jahre gekommen und ist durch die Eingliederung der Pfarre Thal in eine Pfarrgemeinschaft nicht mehr im ursprünglichen Sinne genutzt. Die Dorfgemeinschaft erkennt die Chance, durch die Sanierung und Adaptierung des Hauses die Zusammenarbeit im Dorf wesentlich auszubauen und an der Geburtsstätte der Ortsgründung und Gründung einiger Vereine neuen Schwung in das Dorfleben zu bringen. Die VertreterInnen der Pfarre, der Vereine und der Politik haben sich zusammengeschlossen und ihre Vision des gemeinsamen Hauses definiert. Ein Grobkonzept mit öffentlicher und pfarrlicher Nutzung (im Geiste des Ortsgründers) liegt vor, eine Ausgestaltung der Zusammenarbeit und eine Detaillierung der baulichen Anforderungen werden im Projekt umgesetzt. Innerhalb des Leader -Projektes werden der Keller mit Werkraum und WC, die Pfarr- und Begegnungsräume im Erdgeschoss, sowie das Dachgeschoss als möglicher Proberaum und der barrierefreie Zugang im Außenbereich umgesetzt. Die Startwohnungen im Obergeschoss werden umgesetzt, sind aber nicht Teil des Leader-Projektes. Das dorfprägende Gebäude bedarf einer sensiblen Generalsanierung und einer funktionalen Anpassung der Innenräume. Um die Mehrfachnutzung im Gebäude zu ermöglichen und zu koordinieren, wird dieses Tätigkeitsfeld im Projekt definiert, welches in Zukunft durch den Pastoralassistenten (m/w) übernommen wird. Vom Projekt können wesentliche Impulse für ein lebendiges und familienfreundliches Dorf ausgehen. Die anrechenbaren Projektkosten werden aufgrund der Vorgaben in der Lokalen Entwicklungsstrategie der Regio-V für Leader mit einer Obergrenze von 250.000,- gedeckelt. Die Gesamtinvestition für die Generalsanierung beträgt 780.014,- Euro.

Ausgangslage

„Dorfvater“ Martin Sinz (1830-1911) eine der eindrucksvollsten Gestalten der Vorarlberger Geschichte des 19. Jahrhunderts entgegen stammte aus einer kinderreichen Familie eines Maurers in Sulzberg-Thal. Wegen der Entlegenheit der Siedlung „im T(h)al“ fasste der 1868 zum Priester Geweihte den Entschluss, eine eigene Pfarrei zu gründen. Mit einem großen Sendungsbewusstsein setzte er diesen Plan mit Spendengeldern und Überlassungen um. Bereits 1874 wurde mit dem Kirchenbau begonnen, 1881 wurde die Pfarre eingerichtet und Sinz selbst mit ihrer Leitung betraut. Sinz ließ einen ganzen Dorfkern erbauen: Kirche mit Friedhof und Kirchplatz sowie Pfarrhof und Mesnerhaus - mit großen Gärten (Eigenversorgung). Die Gebäude im Kern sind ein in sich geschlossenes, harmonisches Ensemble aus der Spätbiedermeierzeit, das zudem ausgezeichnet erhalten ist. Der Pfarrhof selbst wurde 1877 erbaut, die Pläne stammten von Architekt Johann Mayer aus Luzern. Das Haus wirkt im Gesamtensemble geradezu in Szene gesetzt: Es steht zentral, durch ein Kellergeschoss in die Höhe gehoben, und so neben der Kirche, dass dazwischen ein Platz gebildet ist und die Achse der Kirchtüre direkt hinüberführt zur imposanten Doppelstiege, die zur Pfarrwohnung führt. Die bauliche Sanierung des leerstehenden Hauses ist dringend erforderlich, um eine Nutzung zu ermöglichen und größere Schäden zu verhindern (Trockenlegung, Dach, Isolierung, Installation). Das Gebäude bedarf einer sensiblen Generalsanierung innen und außen. Der Charakter soll dabei erhalten bleiben. Der Pfarrhof wird, wenn er in neuem Glanz erstrahlt, den architekturgeschichtlich wertvollen Thaler Dorfkern noch stärker zur Geltung bringen. Die Dynamik von Pfarrer Martin Sinz scheint sich fortgesetzt zu haben. Der Herzschlag des Dorfgeschehens geht immer noch von den aktiven Vereinen, Gruppen und Initiativen aus. Sie sehen die Sanierung und Adaptierung des Pfarrhofes als die Möglichkeit, den Ort kreativ und authentisch für die Ausübung unterschiedlichster gesellschaftlicher Engagements - im Sinne des Gründers - zu nutzen. In Sitzungen hat sich ein breiter Strauß an Nutzungsanforderungen abgezeichnet, die im Rahmen eines LEADER-Projekts akkordiert und optimiert werden sollen. Die Gruppen und Initiativen erkennen im Projekt auch die Chance einer verstärkten und vereinsübergreifenden Zusammenarbeit, die sich durch die gemeinsame Nutzung des Objektes verstärken soll.

Ziele/Wirkung

Neben dem Erhalt eines ortsprägenden Objektes ist es ein zentrales Ziel, den Pioniergeist des Dorfgründers Martin Sinz in Thal aufrecht zu erhalten. Nirgendwo kann dies besser und authentischer erfolgen wie an jenem Ort und in jenen Räumlichkeiten, von wo er ausgegangen ist. Die vom Gründer initiierten Gruppen und Initiativen sollen von dem Haus ihrer Geburt aus in die Zukunft wirken, ihr Tun beflügeln und ihre Zusammenarbeit stärken. Die dörflichen Aktivitäten brauchen eine Koordination und einen Ort, von dem diese ausgeht.

Nutzungsziele:
Pfarrliche Nutzung durch Pfarrer, Pastoralassistent, Pfarrgemeinderat, Pfarrkirchenrat, Pfarrbüro, Mesner, Lektoren, Kantoren, Archivar, Friedhofsbetreuer, Waldbetreuer: Eine Pfarre wie jene in Thal erfordert viele Dienste, die wahrgenommen werden müssen. Das Ehrenamt zeigt hier seine Stärken und seinen Wert für die Gemeinschaft. Pfarrer Peter Loretz, sowie die engagierten Personen sollen Räume für Beratungsgespräche, Sitzungen und Pfarrarchiv bekommen.

Werkräumlichkeiten: Kirchenschmuck, Blumengestecke sind eine Handwerkskunst, und Handwerk braucht Raum. Daran hat es bislang gefehlt. Die geplante Werkstatt wird außerdem von den Mesnern, Kirchen- und Friedhofspflegern genutzt werden.

Jugendarbeit:  Die Ministranten und das „Thaler Aktionsteam“ (eine Gruppe junger Erwachsener, die sich immer wieder für die Dorfgemeinschaft engagiert) sind derzeit heimatlos; es fehlt ein gemütlicher Treffpunkt, wo man sich zu Hause fühlt und kreativ sein kann.

Familienarbeit: Thaler Familien sollen die Möglichkeit bekommen ihre Wünsche und Bedürfnisse ausbauen und realisieren zu können. Angedacht sind Mutter-Kind-Treffen, Impulsveranstaltungen, Besinnungstage, Vorträge, Workshops, Kinderkirche. Für eine Bücherei Zweigstelle wurden bereits sehr positiv verlaufene Vorgespräche geführt. Multifunktionale Mehrzweckräume und eine Küche ermöglichen familiäre Treffs zur Stärkung der Dorfgemeinschaft.

Thaler Senioren: Die Seniorennachmittage finden derzeit im Kellergeschoß der Volksschule in einem wenig einladenden Raum statt. Eine „Hoschtube“ und ein Kartenspiel sollten bald im „hochwürdigen“ Haus erfolgen können.

Chöre: Thal ist ein Ort des Gesanges, der Bedarf für ein geeignetes Probelokal ist gegeben. Das Thaler Chörle, der Männerchor und der Schulchor werden hier Gelegenheit zum Proben bekommen.

Selbsthilfeverein Dorfgemeinschaft Thal: Die Verantwortlichen des SHV stehen als „Überverein“ des Dorfes in engem Kontakt mit der Pfarre. Es werden Überlegungen angestellt, wie durch das sanierte Pfarrhaus Synergien frei werden könnten, von denen Pfarre und SHV gemeinsam profitieren sollen.

Dorfgarten: Der Pfarrgarten war in der Vergangenheit zur Selbstversorgung angelegt und ein war ein örtliches Gestaltungselement. Diese Funktion gewinnt wieder an Bedeutung. Im zukünftigen Pfarrgarten sollen Bürger die Möglichkeit erhalten Blumen und Kräuter zu pflanzen, zu pflegen und zu ernten. Der Garten soll ein weiteres Mosaik im Erhalt der dörflichen Gemeinschaft bilden.

Startwohnungen: Im Rahmen der Generalsanierung werden im Obergeschoß zwei Startwohnungen für junge Menschen im Dorf realisiert. Diese Umsetzung ist nicht Bestandteil des Leader-Projektes.

Inhalte

Der Pfarrhof, 1877 mit Spendengeldern errichtet, war das erste Bürgerhaus in den von landwirtschaftlichen Gebäuden geprägten Parzellen von Thal. Es wurde stilbildend für all jene Bürgerhäuser, die bis zum Ende der Zwischenkriegszeit gebaut wurden, aber auch für die neue Volksschule (1936). Das Gebäude bedarf einer sensiblen Generalsanierung innen und außen. Der Charakter soll dabei erhalten bleiben. Der Pfarrhof soll, wenn er in neuem Glanz erstrahlt, den architekturgeschichtlich wertvollen Thaler Dorfkern noch stärker zur Geltung bringen. In moderierten Arbeitssitzungen werden die Anforderungen an das Gebäude erarbeitet und auf Machbarkeit geprüft. Für die Mehrfachnutzung des Gebäudes benötigt es eine Anlauf- bzw. Koordinierungsstelle, dessen Tätigkeitsfeld noch definiert werden muss. Wie diese Stelle organisatorisch im Ort eingebunden ist, wird derzeit geklärt: Vornehmlich soll diese Aufgabe ein Pastoralassistent (m/w) übernehmen.

Resultate

Nach Fertigstellung ist ein aufblühender Treffpunkt der Ortsgruppen, Vereine und Impulsgeber für die örtliche Zusammenarbeit entstanden. Die Koordinationsstelle mit definiertem Tätigkeitsfeld ist eingerichtet. Die Pfarrbediensteten und -ehrenamtlichen, Familien, Jugend, Senioren und Chöre haben im Pfarrhof Thal einen neuen Ort zum Wirken gefunden. Das Gebäude ist vorbildlich saniert und der Pfarrgarten erfreut die Dorfbewohner.

Bezug zum Programm

Maßnahme LES2020:

  • 2NH04 Alte Bausubstanz in Dorfzentren kreativ nutzen

Weitere Maßnahmen in welchen das Projekt wirkt:

  • 3GW01 Dörfer für junge Familien attraktiv gestalten
  • 3GW03 Strukturen für gesellschaftliches, soziales Engagement ausbauen

Weitere Informationen

19.2.2019: Newsbericht zur Bausteinaktion

20.8.2018: Newsbericht zu den Sanierungsarbeiten am Pfarrhaus