Zukunft Unternehmertum im ländlichen Raum

Planung einer integrativen Servicestruktur zur Aufwertung des regionalen Gründermilieus sowie des regionalen Unternehmertums unter Einbezug vorhandener Strukturen

Projektdauer: 14.12.2015 - 30.06.2018

Projektträger

Regionalentwicklung Bregenzerwald GmbH

Gerbe 1135, Impulszentrum

6863 Egg

Kurzbeschreibung

Zur nachhaltigen Sicherung des Arbeitsplatzangebotes in ländlichen Gebieten, wo sich eine kleinstrukturierte Wirtschaft befindet (viele Kleinbetriebe), bedarf es verstärkter Bemühungen um eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und eine adäquate Gründungsintensität sicherzustellen.  Es gilt, im Wettbewerb mit den urbanen Räumen bestehen zu können. Denn gerade dort existieren professionelle Service- und Unterstützungsstrukturen zur wirtschaftlichen Entwicklung, welche in den ländlichen Räumen fehlen. Auf Grund rückläufiger Gründungsraten erkennt die Regionalentwicklung Bregenzerwald die hohe Dringlichkeit, Servicestrukturen zu etablieren, die das GründerInnenmilieu maßgeblich weiterentwickeln, das regionale Unternehmertum fördern und die wirtschaftliche Entwicklung impulsgebend und begleitend unterstützen. Im Projekt soll, unter Berücksichtigung und Integration vorhandener Strukturen, eine effiziente und wirksame Form einer Servicestruktur zur Umsetzung der Idee eines „Standort-und GründerInnenzentrums Bregenzerwald“ (Arbeitstitel) gefunden und zur Umsetzung vorbereitet werden. Eine Task Force, bestehend aus regionalen Schlüsselorganisationen, erarbeitet unter Nutzung von Servicestellen des Landes, eine auf die regionalen Bedingungen passende Struktur, klärt Zuständigkeiten und Rollen ab und plant die Umsetzung eines Maßnahmenbündels zur Steigerung der Gründungsintensität, zur Bestandspflege und Betreuung bestehender Betriebe, zur Ansiedelung und Akquisition von neuen Betrieben, zur Betriebsnachfolge und zur Beratung und Betreuung der Kommunen. Als Ergebnis werden alle Grundlagen erwartet, die zur Umsetzung einer derartigen Serviceorganisation erforderlich sind (Organisationsstruktur, Aufbau- und Ablaufbeschreibung, Finanzierung).

Ausgangslage

Das ISK – Institut für Standort-, Regional- und Kommunalentwicklung hat von der Marktgemeinde Bezau den Auftrag für die Begleitung und Moderation eines Standort- und Gemeinde-entwicklungsprozesses erhalten. Im Rahmen dieses Strategieprozesses wurden – mit umfassender Bürgerbeteiligung - von der Arbeitsgruppe Handlungsfelder definiert. Im Handlungsfeld „Flächenmanagement, Wohnraum und Wirtschaft“ wird als ein wichtiges Ziel und als Maßnahme mit höchster Priorität die Mobilisierung des Unternehmertums geortet. Hintergrund dieser Feststellung ist die Erkenntnis, dass sich die Wirtschaft in einer ländlichen Region aus eigenen „Kräften“ – also von innen heraus - entwickelt.

Da dieses Handlungsfeld und die darauf abzielenden Maßnahmen nicht nur lokal für die Marktgemeinde Bezau von größter Wichtigkeit ist, empfiehlt es sich dringend, das Projekt auf regionaler Ebene – also für den gesamten Bregenzerwald – auszuarbeiten und umzusetzen. Vor allem Wirtschaftsentwicklung und der damit einhergehende Sensibilisierungsprozess ist ein regionales Anliegen, das somit bei der Regio Bregenzerwald verortet ist. Neben den oben angeführten Erfahrungen beschäftigt sich die Regionalentwicklung Vorarlberg mit dem Programm der Lokalen Entwicklungsstrategien (LES2020) zu dem Thema ausführlich. Neben dem hinlänglich bekannten demografischen Wandel und dem sich abzeichnenden Facharbeitermangel (die starken Jahrgänge 50+ scheiden in Kürze aus dem Arbeitsprozess aus) ist zudem die Gründerrate gesunken. Dies haben Arbeitsgruppen bei der Erstellung der lokalen Entwicklungsstrategie 2020 LEADER ebenfalls festgestellt. Wörtlich heißt es im neu entstandenen LEADER-Programm „Mut zur Unternehmensgründung ist ein gesellschaftliches Thema“, weswegen Rahmenbedingungen für Neugründungen im ländlichen Raum verbessert werden sollen. Auch die interkommunale Zusammenarbeit für Maßnahmen zur Betriebsansiedelung und Gründung stellt sich für den Betrachter als mangelhaft dar. Die rückläufige Gründerrate birgt gerade für den Bregenzerwald eine große Gefahr des wirtschaftlichen Einbruchs. In der LES2020 wird daher auf die Dringlichkeit zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für das GründerInnenmilieu hingewiesen und dementsprechende Maßnahmen empfohlen (siehe dazu WS07 und NH05). An dieser Stelle wird auf die detaillierte Langversion des Projektantrages verwiesen, der fundierte Zahlen und weiterführenden Informationen, welche die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer Mobilisierung des Unternehmens unterstreicht, enthält.

Ziele/Wirkung

Ziel:

Mit dem Projekt soll eine umfassende und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung unterstützt und Unternehmertum und Gründungen mobilisierte werden. Es soll gleichzeitig in der Bevölkerung mehr Sympathie für Wirtschaft und Unternehmertum entstehen. Dies soll durch die Schaffung der notwendigen Grundlagen für die Einrichtung einer Servicelelle und durch die Durchführung öffentlicher Aktionen ermöglicht werden. In enger Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen wie Werkraum Bregenzerwald, WITUS, vereinte Kaufmannschaften, Tourismus Bregenzerwald etc. und den Institutionen des Landes wie auch WKO und AMS sowie den Vertretern verschiedener Sektionen sollen Grundlagen für eine Servicestruktur identifiziert, diskutiert, abgestimmt und verabschiedet werden. Die Region Bregenzerwald soll sich künftig - nach Aufbau der Grundlagen lt. diesem Projekt - als Pilot- und Aktionsgebiet zum Thema „Zukunft Unternehmertum im ländlichen Raum“ profilieren.

Folgende Ziele werden definiert:

  • In den vergangenen Jahren wurden durchschnittlich gut 60 neue Unternehmen im Bregenzerwald gegründet. Ziel ist es, mittelfristig die Gründungsrate um 10 % zu erhöhen. Das gegenständliche Projekt soll die strukturelle Basis für eine entsprechende Servicestruktur schaffen.
  • Mit Projektabschluss ist eine Sektor-übergreifende Struktur definiert und zur Umsetzung vorbereitet. Diese wurde mit den bestehenden Institutionen (vgl. oben) evaluiert und die notwendigen Maßnahmen und Aktionen sind akkordiert.
  • Diese Servicestruktur für das Unternehmertum kümmert sich um folgende Aufgaben:
    • JungunternehmerInnen/NeugründerInnen (Bewusstseinsbildung für Gründungen und Betreuung bis über die Nachgründungsphase hinaus)
    • Bestandspflege und Betriebsbetreuung der bereits ansässigen Unternehmen (Wachstum soll unterstützt und gefördert werden)
    • Ansiedlungsmanagement neuer Unternehmen vor Ort
    • NachfolgerInnen (Nachwuchspflege/ Firmenübergaben)
    • Beratung und Begleitung auch der einzelnen Kommunen zu Fragen der Standortwirtschaft und des Flächenmanagements
    • Standortmarketing und Bewusstseinsbildung zum Unternehmertum
  • Ein Netzwerk zwischen den lokalen Akteuren, bereits vorhandener Institutionen (wie WITUS, Werkraum Bregenzerwald, Handwerkszunft, Interessensvertretungen, zuständige Landesorganisationen, WKO, AMS, etc.) und den Wirtschaftsbetrieben ist aufgebaut.

Wirkung:

Das Projekt liefert Grundlagen und schafft eine Struktur, die in der Folge Wirkung zeigen soll. Es soll erreicht werden, dass eine Sektor-übergreifende Struktur Bestand hat, die dafür sorgt, dass eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und eine Steigerung der Arbeitsplatzangebote in der Region unterstützt und gesichert werden.

Mittelfristig soll die Gründungsrate in der Region um 10 % gesteigert werden. Dadurch wird in der Region auch das Arbeitsplatzangebot erhöht, da lt. einer Studie der Wirtschaftskammer Österreich jede/r JungunternehmerIn in den ersten zwei bis vier Jahren im Durchschnitt 2,4 Arbeitsplätze schafft. Mit der Steigerung der Gründungsrate ist in der Regel auch die Steigerung des Arbeitsplatzangebotes verbunden. Auch der Servicierung potenzieller Betriebsnachfolger kommt eine große Bedeutung zu, da dadurch einerseits vorhandene Arbeitsplätze gesichert und anderseits neue geschaffen werden können, was letztlich auch das Arbeitsplatzangebot wiederum erhöht. Zudem ist in der Bevölkerung durch die Aktionen der gemeinsamen Struktur ein höheres Bewusstsein für die Notwendigkeit von Unternehmertum und Wirtschaftsbetrieben in der Region entstanden und dadurch auch gleichzeitig das Gedankengut für eine funktionierende Wirtschaft in der Bevölkerung verstärkt verankert worden.

Inhalte

Inhalt des angestrebten LEADER-Projekts ist es, wirtschaftliche Grundlagen für die Region sicherzustellen, ein Netzwerk zu den lokalen und regionalen Akteuren und Betrieben aufzubauen und mit Interessensvertretungen und bestehenden Organisationen Aktionen vorzubereiten. Weiter ist es Aufgabe des Projektes, Begegnungsräume für Erfahrungsaustausche zwischen UnternehmerInnen und Gründungswilligen herzustellen. Mit den Verantwortungsträgern soll eine dauerhafte Servicestruktur für das Unternehmertum entwickelt werden. Die mit den Netzwerkpartnern zur Erstellung des Konzeptes geplanten Aktionen (vgl. die einzelnen Arbeitspakete) sind ebenfalls Inhalt des Projektes. Durch die Sektor-übergreifende Zusammenarbeit sind die regionalen Kooperationen weiter gestärkt worden.

Resultate

Im Ergebnis dieses Projektes steht das umsetzungsreife Konzept für die Servicestruktur (inkl. Organisations-, Aufbau- und Ablaufstruktur). Mit Abschluss des Projektes ist mit einem Netzwerk lokaler und landesweiter Interessensvertretungen eine Struktur zur Förderung des Unternehmertums in der Region konzipiert worden. Ebenso ist die Finanzierung für die Implementierung und den operativen Start nach Möglichkeit gesichert.

Das Projekt betrachtet sich als Strukturaufbauprojekt und geht davon aus, dass die in der Folge gesetzten und akkordierten Maßnahmen dazu führen, dass die wirtschaftliche Dynamik insbesondere in Form von Arbeitsplätzen sowie die Gründerrate im Vergleich zu anderen Gebieten mittelfristig um 10 % steigt.

Bezug zum Programm

Maßnahmen LES2020:
1 WS.07 verbesserte Rahmenbedingungen für GründerInnen Milieu schaffen.
3.1 Aktionsfeld 1 Erhöhung der Wertschöpfung – 1 WS.07 Vermerk
Das Thema ist in der lokalen Entwicklungsstrategie ausführlich dargelegt. Das konkrete Projektvorhaben ist im Rahmen eines Gemeindeentwicklungsprozesses entstanden und auf regionale Rahmenbedingungen und Anforderungen adaptiert worden. In gemeinsamen Workshops konnten mit externer Unterstützung die Inhalte definiert werden.
An der Stelle ist noch einmal hervorzuheben, dass dieses Projekt zwar die Entwicklung der Grundlage bzw. das Konzept und die Begleitstruktur für ein nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und eine adäquate Gründungsintensität schafft und diesbezüglich Ziele und Maßnahmen erarbeitet, die Implementierung und der operative Start der umsetzenden Servicestruktur ist jedoch in einem gesonderten Projekt zu sehen. Die Sicherung der Finanzierung für die Implementierung und den operativen Start ist Teil dieses Projektes – siehe AP 3.