Gemüse-Labor, Dorfgarta, Schulgarten – viele Namen, ein Gemeinschaftsprojekt
16. Dezember 2025
Projekt
In Hittisau gedeiht seit dem Sommer ein besonderer Garten. Das "Gemüse-Labor" steht der gesamten Dorfgemeinschaft zur Verfügung. Zuletzt legten Freiwillige Mitte November im Garten unter professioneller Anleitung eine Hecke an, von der Menschen und die Natur profitieren.
Mit Unterstützung des LEADER-Programms der Europäischen Union und der Gemeinde Hittisau als Projektträgerin entstand das Gemüse-Labor – je nach Funktion auch benannt als Dorfgarta oder Schulgarten: Ein Ort, der Bildung, Natur und Menschen verbindet. Die Umsetzung liegt in den Händen von vier engagierten Vereinen: dem Obst- und Gartenbauverein Hittisau-Bolgenach, dem Imkerverein Hittisau-Sibratsgfäll, dem Schulverein Hittisau und dem Naturpark Nagelfluhkette. Ihre Mitglieder haben mit großem Einsatz die Grundlagen geschaffen: Die Hochbeete, gefertigt in regionaler Handwerksarbeit, wurden von Schüler:innen der Polytechnischen Schule aufgestellt. Herzstück des Projekts ist ein Holzhaus, das vieles vereint: Raum für Kurse und Führungen, Platz für gemeinsames Arbeiten und kleine Handgriffe wie das Pikieren – und ein sicherer Rückzugsort bei Regen.
Begegnungsort für Menschen und Natur
Über den Sommer wurden die Beete rund um das Haus nach und nach bepflanzt und zum Leben erweckt. Hier wachsen künftig auch alte Obstsorten, ein Bienenhäuschen lädt zum Beobachten ein, und es gibt Raum für neue Ideen wie den Kartoffelanbau unter Heu. Das Ausgraben der Knollen wurde im Herbst für die Schüler:innen zur echten Schatzsuche – spannend bis zum letzten Fund.
Im Dorfgarta kommen Generationen zusammen: Kinder aus Volks- und Mittelschule, Jugendliche der Polytechnischen Schule, die Kleinsten aus der Kinderbetreuung und Senior:innen aus dem Betreuten Wohnen – gemeinsam wird gegärtnert, gelernt und gelacht.
Das Bildungsprogramm „GemüseAckerdemie“ begleitet den Unterricht der Volksschulkinder durch das Gartenjahr und zeigt praxisnah, wie ökologischer Gemüsebau funktioniert, wie Artenvielfalt gefördert wird und warum ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln wichtig ist. Ein Teil des geernteten Gemüses wird in der Schulküche (LOKAL) zubereitet – frisch, regional und saisonal. Wer hier mitmacht, hat am Ende vielleicht Erde an den Händen, aber garantiert ein Lächeln im Gesicht.
Anpacken, mitmachen, Viel(falt) schaffen!
Am 15. November wurde der Dorfgarta durch eine Freiwilligenaktion bereichert. Mit der Erfahrung und dem Fachwissen von Baumpfleger und Baumwärter Manfred Felder wurde die gemeinsame Heckenpflanzung zu einem besonderen Vormittag. Unter seiner Anleitung legten Vereinsmitglieder und freiwillige Helfer:innen drei Strukturen an: eine Beeren-Naschhecke, eine phänologische Hecke zur Beobachtung klimatischer Veränderungen und eine vogelfreundliche Hecke. Die Gehölze dafür stammten aus der Region – vom Landesforstgarten Rankweil und von Obstbaumflüsterer Peter Sauer aus Sibratsgfäll.
Hecken bieten Nahrung und Schutz für Tiere und verbessern das Mikroklima, indem sie Wind bremsen, Schatten spenden und Feuchtigkeit im Boden halten. Sie schaffen Lebensräume und bieten Nist- und Versteckmöglichkeiten für Vögel und andere Kleintiere. Wie Hecken die Lebensräume von Tieren vernetzen, bringt das Gemüse-Labor Menschen zusammen: Hier übernehmen sie Verantwortung, teilen Wissen und entdecken Neues. Neben den Schulbeeten gibt es Gemeinschaftsbeete, die gemietet werden können – für alle, die Lust haben, selbst anzupacken.
Und auch künftig wird sich hier viel tun: Die Vereine haben bereits weitere Ideen, und der Naturpark möchte die Strukturen in den Naturparkschulunterricht, in Führungsangebote und in neue Freiwilligenprojekte einbinden. Gemeinsam wachsen – mitten in Hittisau.
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