Biogas: Mehr als Energie
11. November 2025
Biogas kann in Vorarlberg als erneuerbarer Energieträger in deutlich größerem Umfang als bisher genutzt werden, wie eine soeben veröffentlichte Studie im Detail belegt. Wie davon alle durch klimafitte Böden und regionale Wertschöpfung profitieren können, zeigt ein Pilotprojekt. Gemeinden und Regionen sind dabei Schlüsselakteure.
Das Land Vorarlberg wollte wissen, welche Biogaspotenziale in Vorarlberg wirtschaftlich erschließbar sind und wie eine Nutzungs- bzw. Mobilisierungsstrategie aussehen kann. Die Daten und Fakten liefert dazu die Anfang November präsentierte Studie „Biogas in Vorarlberg“. Die Studie zeigt auch den gesellschaftlichen Mehrwert einer nachhaltigen und regenerativen Biogasnutzung für Klimaschutz, Klimawandelanpassung und regionale Wertschöpfung.
Das Energie-Potenzial ist beachtlich: Insgesamt können 261 GWh erneuerbare Energie jährlich wirtschaftlich lohnend aus Biogas gewonnen werden – fast so viel wie die derzeit genutzte Fernwärme in Vorarlberg, wie die Studie belegt. Die größten ungenutzten Potenziale liegen im Bereich Wirtschaftsdünger (Gülle) und kommunale Bioabfälle.
Dezentrale Anlagen für klimafitte Böden und Kohlenstoffspeicherung
Um diese Potenziale zu erschließen, müssten über Vorarlberg verteilt 10 bis 15 neue gemeinschaftliche Biogasanlagen errichtet werden, in denen jeweils die Gülle von vielen Landwirtschaftsbetrieben aus einem Radius von fünf Kilometern genutzt wird. Die Logistik und die Infrastruktur hierfür aufzubauen ist komplex und Gemeinden können hierbei eine wichtige Initiations- und Vorbildrolle spielen.
Besonders wirtschaftlich und zukunftsorientiert arbeiten die Anlagen dann, wenn sie die bei der Biogasproduktion entstehenden Gärreste weiter aufbereiten und nutzbar machen. Dabei werden die Gärreste mit pflanzlichem Material wie Holz und Astschnitt (das ohnehin in allen Gemeinden abfällt und zum Teil teuer entsorgt werden muss) versetzt, so dass hochwertige Bodenhilfsstoffe entstehen. Werden diese als organischer Dünger auf die Felder ausgebracht, können die Böden mehr Nährstoffe und Wasser speichern. Die positiven Wirkungen: besserer Schutz bei Starkregenereignissen und Trockenheit, fruchtbarere Böden, geschlossene Nährstoffkreisläufe, Kohlenstoffspeicherung im Boden.
Pilotprojekt in der Kumma-Region
Dass solche Anlagen keine Zukunftsmusik sind, zeigt ein von der Gemeinde Koblach und der ARGE energiewenden initiierter Pilot in der Region amKumma, der in Entstehung ist. Im Rahmen eines grenzübergreifenden Interreg-Projekts wird dort ein Bioressourcenpark eingerichtet, bei dem das Zusammenspiel der Akteur:innen ähnlich funktioniert wie bei den Erneuerbaren Energiegemeinschaften. Gemeinden können einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie den Stein ins Rollen bringen und Akteur:innen wie beispielsweise Landwirt:innen und Bürger:innen zusammenbringen.
Mehr Infos zum Interreg-Projekt BESN
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