Engagiert-sein

Steigerung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements durch FreiwilligenkoordinatorInnen und engagierte Personen in Gemeinden

Projektträger

Regionalentwicklung Vorarlberg eGen

Hof 19

6861 Alberschwende

Kurzbeschreibung

Das bürgerschaftliche Engagement (bE) stellt ein grundlegendes Element in der dörflichen Gemeinschaft dar. Das Füreinander da sein, ist der „Kitt“ in unserer Gesellschaft. In einem vorangegangenen Pilotprojekt konnte die Erfahrung gemacht werden, dass sich freiwilliges bürgerschaftliches Engagement (=Ehrenamt) mobilisieren lässt. Es bedarf eines/ einer FreiwilligenkoordinatorIn, der den Anstoß und das Coaching für die freiwillig engagierten Personen leistet. Weiter konnte im Pilotprojekt festgestellt werden, dass erfolgreiche Initiativen meist drei Profiteure haben, nämlich: a) die begünstigte Person, b) die freiwillig engagierte Person, die in ihrer Aufgabe wächst und soziale Kompetenz gewinnt und c) die Organisation, die der Themenstellung am nächsten steht (Schule, Sozialeinrichtung, Lebenshilfe, Caritas, Gemeinde…).

Die Erfahrungen im Vorprojekt zeigen deutlich auf, dass Personen, die durch „Engagiert sein“ angehalten und geleitet werden, sich sehr bald engagiert einbringen und selbst mit der Aufgabe wachsen. Es kommt zu einer wesentlichen Stärkung des sozialen Netzes in den Dörfern. Eine Besonderheit und gleichzeitig ein Hauptzweck von „Engagiert-sein“ ist die Schaffung von Synergien zwischen den Institutionen und den Begünstigten. Der / die FreiwilligenkoordinatorIn ist lokal präsent, arbeitet an der Basis und macht für Fachorganisationen oft die „letzten Meter“ zum Kunden (Begünstigten). Die in der Gemeinde tätigen FreiwilligenkoordinatorInnen sind damit oft in der Vermittlerrolle für soziale Netzwerkorganisationen des Landes.

Auf Grund der positiven Erfahrung aus dem Pilotprojekt sind die Proponenten der festen Überzeugung, dass eine breitere Anwendung bzw. Umsetzung der Erfahrungen zu einer Steigerung der Sozialkompetenz und qualitativer Beschäftigung in der Gesellschaft führt und damit einen wichtigen Faktor der gesellschaftlichen Resilienz anspricht. Fünf Gemeinden bzw. Gebiete (mehrere Kleingemeinden) haben sich dafür ausgesprochen mit dem Projekt „Engagiert-sein“ ein deutliches Zeichen für das bürgerschaftliche Engagement zu setzen und FreiwilligenkoordinatorInnen zur Mobilisierung des Engagements einzusetzen.

In den kommenden 3 Jahren werden in den 5 Gebieten FreiwilligenkoordinatorInnen installiert, ausgebildet und in den Dörfern Personen zu bürgerschaftlichen Engagement mobilisiert. Die engagierten Personen durchlaufen ein Seminarprogramm und sind für ihre Aufgabe gerüstet. Es findet eine gegenseitige kollegiale Beratung statt ( Erfahrungsaustausch). Die Finanzierung der Personen erfolgt zu 60% LEADER-Mittel, 20% Land und 20% beteiligte Gemeinden.

Ausgangslage

Hinweis: Das Projekt galt als Leitprojekt bei der Erstellung des LES2020 Lebendige Dörfer und ist im Aktionsfeld 3: Gemeinwohl-Strukturen und Funktionen unter der Maßnahme 3GW.03 Strukturen für gesellschaftliches, soziales Engagement ausbauen, beschrieben. Zur Projektbeschreibung verwenden wir daher Textauszüge aus dem LES2020.

In einem LEADER-Projekt der Periode 2007-13 namens „Engagement“ konnte die Erfahrung gemacht werden, dass sich freiwilliges gesellschaftliches Engagement (=Ehrenamt) in der Gesellschaft mobilisieren lässt und dass Menschen mit Handicaps in der Gesellschaft integriert leben können. In den drei Jahren des Pilotversuchs wurde in gewisser Weise überraschend deutlich, dass es beim jeweils richtigen Konzept immer mehrere Profiteure gibt und die Auseinandersetzung mit dem Thema eine ungeahnte Vielfalt an Beschäftigung eröffnet. Die engagierten Personen konnten ihre Talente in die Gesellschaft einbringen, mit ihrer Aufgabe wachsen und mit Sicherheit ihre Sozialkompetenz steigern. Erkenntnis aus dem Pilotprojekt: Ehrenamt bedarf lokaler Koordination und Mobilisierung, benötigt zum Gelingen jedoch der Unterstützung bestehender Institutionen. Gemeinden, die in der Mobilisierung des Ehrenamtes eine Chance erkennen, sollen die Möglichkeit erhalten eine örtliche Stelle (FreiwilligenkoordinatorIn) zur Mobilisierung des bürgerschaftlichen Engagements (bE) einzurichten.

Auf Grund der beschränkten Mittel, die aus dem LEADER-Programm zur Verfügung stehen, können maximal 5 Pilotgebiete (max. 5 FreiwilligenkoordinatorInnen möglich) bedient werden. In Gesprächen mit VertreterInnen von Regios und Gemeinden: Montafon, Leiblachtal, Vorderwald und WITUS-Gemeinden konnten die 5 Betreuungsgebiete entworfen werden. Diese können sein: Montafon: 3 Gemeinden; Klostertal/Großes Walsertal: bis 6 Gemeinden; Vorderwald: 4 Gemeinden; WITUS-Gemeinden: 5 Gemeinden; Leiblachtal: 3 Gemeinden. Hinweis: die letztliche Festlegung ist im AP1 vorgesehen. Da mit dem Projekt mehrere Gemeinden bedient werden und eine Gesamtkoordination erforderlich ist, bietet es sich an, dass die Regio-V stellvertretend als Projektträger auftritt. Die Eigenmittel werden von den beteiligten Gemeinden und dem Land Vorarlberg aufgebracht.

Ziele/Wirkung

  • Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es in ausgewählten Gemeinden das bürgerschaftliche Engagement (bE) zu mobilisieren und damit wirksam die Sozialkompetenz einer dörflichen Gemeinschaft nachhaltig zu steigern.
  • Operatives Ziel ist die Implementierung von mindestens 5 Personen, die als FreiwilligenkoordinatorInnen in den 5 Gebieten tätig sind. Die FreiwilligenkoordinatorInnen wiederum verfolgen das Ziel, Personen aus den Gemeinden für bürgerschaftliches Engagement (bE) zu gewinnen und zu höherer Sozialkompetenz zu befähigen.
  • Die Umsetzung der Ziele bewirkt eine Steigerung des bürgerschaftlichen Engagements in der Gemeinde, eine größere Achtsamkeit zu Personen die an den „Rand“, oder punktuell in Not geraten sind, mehr Sensibilität für Eigenverantwortung, Verantwortung für die Gesellschaft und Offenheit für die Weiterentwicklung der dörflichen Gesellschaft.
  • Die höhere Sozialkompetenz führt zu mehr Toleranz und Einsatz für die Allgemeinheit. Das verstärkte Miteinander stärkt die Dorfgemeinschaft und steigert die lokale Resilienz.

Inhalte

Inhalt des Projektes ist die Evaluierung und Implementierung von mindestens 5 Personen, die als FreiwilligenkoordinatorInnen in den 5 Gebieten tätig sind. Die FreiwilligenkoordinatorInnen stellen Entwicklungsbedarfe fest und akquirieren anlassbezogen Personen für bürgerschaftliches Engagement zur Lösung der gesellschaftlichen Problemstellung. Das Projekt ist als Lernprozess zu höherer Sozialkompetenz gestaltet. In Zusammenarbeit mit den Fachorganisationen des Landes werden FreiwilligenkoordinatorInnen und die in den Orten gewonnenen Personen befähigt, anstehende Aufgaben im bürgerschaftlichen Engagement noch besser bewältigen zu können. Es werden im Projekt brachliegende Talente mobilisiert. Durch die gezielte sektorübergreifende Zusammenarbeit sozialer, kirchlicher, schulischer und gesellschaftlicher Vereine sowie kommunaler Einrichtungen (Gemeinden) sollen Synergien erreicht und die Zusammenarbeit verbessert werden. Zu den Aufgaben der / des FreiwilligenkoordinatorIn zählen: a) Entwicklungsbedarfe, Handlungserfordernisse erkennen, Projekte definieren; b) Lokale Koordination und Mobilisierung von Bürgern für gemeinnützige Projekte; c) Begleitung der engagierten Bürger und deren Projekte; d) Koordination der Weiterbildung, Erfahrungsaustausch für bürgerschaftlich engagierte Personen; e) Sicherung der Win-win-Situation für Leistungsempfänger und der engagierten Bürger; f) Eigene Weiterbildung und Erfahrungsaustausch zwischen den FreiwilligenkoordinatorInnen.

Resultate

5 Gebiete bzw. an die 15-20 Gemeinden haben eine Anlaufstelle, d. h. eine / einen FreiwilligenkoordinatorIn für die Mobilisierung zum bürgerschaftlichen Engagement eingesetzt. Die Gemeinden bewältigen durch das Engagement mobilisierter Bürger gesellschaftliche Aufgaben in einem, im Vergleich, beeindruckenden Ausmaß. Dies hat Auswirkungen auf die Bürgerbeteiligung, die Ausbildung und die Bewältigung der sozialen Herausforderungen. Die Gemeinde kann im Vergleich zur aktuellen Situation eine höhere Zufriedenheit in der Bevölkerung feststellen. Es sind 200 Personen für das freiwillige bürgerschaftliche Engagement in den Gebieten gewonnen. Die Beteiligten haben in Summe ein Pensum von 60.000 Stunden ehrenamtliches Engagement geleistet. Durch die Leistungen wurden in Summe 1.350 Personen begünstigt.

Bezug zum Programm

3GW.03 Strukturen für gesellschaftliches, soziales Engagement ausbauen

Gemeinsam Zukunft gestalten - Integrationsleitbild des Landes Vorarlberg:
https://www.vorarlberg.at/vorarlberg/gesellschaft_soziales/gesellschaft/integrationundmigration/neuigkeiten_mitbild_/integrationsleitbild.htm